Akage no An (Anne mit den roten Haaren) - Zusammenfassung der Handlung Teil 26 - 50

Anne mit den roten Haaren, 2. DVD-Box

Laufzeit der DVDs: ca. 600 min.

5. DVD

Teil 26 - Große Pläne

Endlich kann Anne wieder in die Schule gehen, auch wenn sie beim Laufen noch etwas vorsichtig sein muß.

Dort freuen sich alle, daß Anne wieder da ist.

die neue Lehrerin Frau Stacey

Anne wundert sich, als sie Frau Stacey sieht: die spielt nämlich Ball (und zwar in ihrem Kleid mit den riesigen Puffärmeln). Sie macht das sehr gut. Der einzige, der mit ihr mithalten kann ist Gilbert Blythe.

Im Unterricht diskutiert Frau Stacey die Mutproben, denen Anne zum Opfer gefallen ist. Sie macht das sehr clever und legt als neue Regel fest, daß so eine Mutprobe in Zukunft nur dann als nicht bestanden gilt, wenn derjenige, der sie stellt, sie auch selbst absolvieren kann.

Und auch sonst macht sie einen ganz anderen und viel angenehmeren Unterricht als Herr Phillips. Ihre nächste Idee ist es, von den Schülern für die Avonlea-Schule eine Schul-Fahne entwerfen zu lassen. Die Kinder sind begeistert. Annes Entwurf kommt nicht zum Zug, dafür der von Norman Campbell, der bei Herrn Phillips sonst nur durch Tagträumerein aufgefallen ist. Aber auch in solchen Menschen stecken oft erstaunliche Talente.

Als Hausaufgabe müssen die Schüler dann einen Aufsatz schreiben, und da rechnet Anne sich gute Chancen aus, ihre geliebte Lehrerin zu beeindrucken. Aber so einfach, wie sie sich das erhofft hat, ist es dann doch nicht. Nicht, daß es ihr an Ideen mangelt, im Gegenteil, sie hat viel zuviele, und in diesen Verhau Ordnung zu bringen, stellt sich als recht schwierig heraus. Erstaunlicherweise helfen ihr Marilla und Matthew dabei, ihre Gedanken zu ordnen. Und so ist Frau Stacey am nächsten Tag sehr zufrieden.

*

Langsam rückt Weihnachten näher, und Frau Stacey will eine Art großes Schulfest veranstalten, aus dessen Erlös die Schulfahne finanziert werden soll. Die Schüler sollen verschiedene Stücke aufführen, von denen sie die meisten sogar selbst schreiben. Alle sind begeistert von dieser Idee und stürzen sich voller Elan in die Vorbereitungen.

Leider bekommt Anne nicht die Rolle der Feenkönigin (die geht an Jane Andrews), aber sie darf immerhin eine ihrer Feen-Dienerinnen spielen, zusammen mit Josy Pye und einigen anderen Mädchen.

Wie erwartet findet Marilla Frau Staceys Plan ziemlich abartig. Und am abartigsten findet sie Annes Herz-Schmerz-Schrei, den sie von nun an mehrmals täglich übt. Jedesmal, wenn Marilla ihn hört, fällt sie fast um vor Schreck, und schmeißt Anne deswegen einiges an den Kopf. Doch die läßt sich davon überhaupt nicht beeindrucken, für sie zählt nur, in der Vorführung später möglichst überzeugend zu sein.

Teil 27 - Matthews Geschenk

(Am Ende dieser Folge sind Bild und Ton eine halbe Sekunde auseinander, was ziemlich störend ist.)

Es ist kurz vor Weihnachten. Die Mädchen haben sich auf Green Gables bei Anne im Zimmer getroffen und üben ihre Stücke. Anne hat dabei ein besonderes Problem: sie hat keine Schuhe, die zu ihrer Rolle als Elfe passen. Sie hat sich von Ruby welche geliehen, aber die sind 2 Nummern zu groß. Allerdings - wenn sie sie festbindet, dann geht es.

Matthews verhinderter Einkauf

Zufällig bekommt Matthew das mit. Er fragt sich, warum die anderen Mädchen schöner als Anne aussehen, obwohl Anne doch nicht häßlich ist. Nach einiger Zeit kommt er darauf: die anderen Mädchen haben schöne Kleider, während Anne immer in den Müllsäcken herumlaufen muß, die Marilla für sie näht. Da muß man doch was machen können. Das beschäftigt ihn den ganzen Abend lang, und Marilla wundert sich sehr, worüber ihr Bruder die ganze Zeit so intensiv vor sich hin grübelt.

Schließlich fährt er am nächsten Morgen nach Carmody, um für Anne ein schönes Kleid zu kaufen. Da Matthew ausgesprochen schüchtern ist, wenn er es mit Frauen zu tun hat, geht er in den Laden von Lawson, von dem er weiß, daß dort Männer bedienen - nur heute nicht. Er ist völlig geschockt, steht total neben sich, stammelt herum, und verläßt das Geschäft statt mit einem Kleid am Ende mit einem Rechen und einem Sack braunem Zucker.

Doch trotz dieses Schocks gibt Matthew nicht auf. Er geht zu Rachel Lynde und erklärt ihr, um was es geht. Zu seiner Überraschung rennt er bei ihr offene Türen ein, denn Frau Lynde meint auch, daß Marillas Kleider, die sie Anne immer tragen läßt, eine Zumutung seien.

Frau Lynde geht nach Carmody, läßt sich stundenlang Stoffe zeigen, kauft dann den, den sie sowieso von Anfang an kaufen wollte, und näht für Anne ein Kleid nach der neuesten Mode, mit Puffärmeln natürlich.

Ein paar Tage später erscheint Frau Lynde dann auf Green Gables, liefert das Kleid bei Matthew ab und breitet auch vor ihrer Freundin Marilla die ganze Geschichte aus. Marilla beißt die Zähne zusammen, sie hatte bis jetzt ja keine Ahnung, was Matthew da ausgebrütet hat, aber sie spielt mit und verrät Anne nichts.

Mit spitzen Bemerkungen zu Annes Eitelkeit und den Puffärmeln hält sie sich aber nicht zurück. Frau Lynde und Matthew müssen sich einiges anhören.

Teil 28 - Viele Überraschungen

In der Nacht hat es geschneit, das heißt es gibt weiße Weihnachten. Anne freut sich sehr, als sie am Morgen aufsteht und das sieht. Genau passend für diesen besonderen Tag, denn am Abend ist ja die große Aufführung. Vorher aber gibt es ein paar Überraschungen.

die große Theateraufführung

Unten, in der warmen Küche, wartet nämlich schon Matthew mit seinem so mühsam erworbenen Geschenk. Anne braucht eine Zeitlang, bis sie mitbekommt, daß Matthew ihr etwas schenken will, aber als sie es dann auspackt und ein braunes Kleid mit Puffärmeln vorfindet, weint sie vor Begeisterung. (Diese Szene ist wirklich toll umgesetzt.)

Marilla hat für Anne auch etwas. Frau Lynde hat nämlich zu dem Kleid auch noch eine Haarschleife gemacht, und die bekommt Anne jetzt von Marilla geschenkt.

Vor der Anprobe muß Anne aber erst mal frühstücken, darauf besteht Marilla.

Doch die Überraschungen sind noch nicht vorbei. Anne ist gerade beim Abwasch, als Diana hereingeschneit kommt. Sie weiß ja schon lange, daß Anne keine eleganten Schuhe hat. Also hat sie Tante Josephine um Hilfe gebeten. Und das Ergebnis präsentiert sie jetzt Anne als Geschenk: super-feine und elegante Damenschuhe. Anne weiß gar nicht, wie ihr geschieht.

Als Anne dann mit dem neuen Kleid und den neuen Schuhe in der Küche erscheint, müssen Matthew und Marilla zweimal hinsehen. Sie erkennen ihr Mädchen fast nicht wieder.

Dann muß Anne los, denn jetzt müssen sie erst mal die Stadthalle für die Vorführung dekorieren. Marilla erwähnt nebenbei, daß sie am Abend anwesend sein wird. Anne ist überrascht und freut sich riesig. Und als sie schon weg ist, beschließt Matthew, daß er auch hingehen wird.

*

Die Schüler arbeiten den ganzen Tag, und als sie fertig sind, wird nochmal geprobt. Um 6 geht es los, und es hat sich so ziemlich ausnahmslos die ganze Bevölkerung von Avonlea eingefunden. Frau Stacey hat alles mögliche einstudiert: Chöre, Theaterstücke, Gedichte usw.

Auch Anne hat einige Auftritte. Sie sieht dabei zufällig Matthew neben Marilla im Publikum sitzen und ist tief gerührt.

Bei einer Gelegenheit verliert sie die Blume, die sie im Haar stecken hatte. Gilbert, der als nächster auf die Bühne geht, hebt sie auf und steckt sie sich ins Knopfloch. Diana sieht das und freut sich darüber, Anne natürlich überhaupt nicht.

Der Abend wird ein riesen Erfolg, und Matthew und Marilla sind auf Anne sehr stolz. Und selbst Marilla gibt zu, daß Anne da oben auf der Bühne mit ihrem neuen Kleid sehr hübsch ausgesehen hat.

Am Abend, als Anne schon schläft, sitzen Marilla und Matthew noch eine Zeitlang zusammen und denken über Annes Zukunft nach. Anne ist klug und begabt, und später mal soll sie eine ordentliche Hochschule besuchen. Aber da sie ja erst knapp 13 Jahre alt ist, hat das doch noch ein bißchen Zeit.

Teil 29 - Der Geschichten-Club

(Am Ende dieser Folge sind Bild und Ton mal wieder eine halbe Sekunde auseinander.)

Nach der großen Weihnachtsaufführung erscheint den Kindern die normale Schule ziemlich langweilig. Vor allem Annes Gedanken kreisen immer noch um dieses Ereignis.

Annes und Dianas winterlicher Schulweg

Doch als die Zeit vergeht, verblaßt auch langsam die Erinnerung, vor allem, wo Frau Stacey sich viel Mühe gibt, die Schüler für neue Dinge zu interessieren. Zum Beispiel müssen sie einen Aufsatz schreiben über das Thema "Ein Winterspaziergang im Wald und auf dem Feld". Das ist die ideale Aufgabe für Anne.

Im März hat Anne Geburtstag. Sie wird 13 und ist glücklich, daß sie es bald geschafft hat: nur noch zwei Jahre, dann ist sie 15 und damit praktisch erwachsen. Darauf freut sie sich.

Auf dem Schulweg erzählt Anne Diana in aller Ausführlichkeit von der Geschichte, die sie geschrieben hat: "Rivalen aus Eifersucht". Diana wünscht sich, sie hätte wenigstens halb so viel Fantasie wie Anne.

Anne antwortet ihr, das sei alles nur Übung, und sie könnten doch einen Club gründen, den Club der Dichter. Diana ist beeindruckt. Und bald schon wächst der Club um Jane Andrews, Ruby Gillis und einige weitere Mädchen. Jungen sind allerdings nicht zugelassen, sehr zu Rubys Bedauern.

Die Mädchen sind begeistert bei der Sache. Marilla, der Anne davon erzählt, hält den Club natürlich für Blödsinn, doch dem widerspricht Anne energisch und zitiert eine Reihe von Beispielen, wie nützlich ihre Geschichten sind.

Teil 30 - Eine schmerzliche Erfahrung

Eines schönen Tages, als Marilla gerade nicht zuhause ist, klopft ein Kosmetik-Vertreter an die Tür von Green Gables. Anne ist natürlich neugierig und läßt sich zeigen, was der Mann so alles in seinem Koffer hat. Und als ihr Blick schließlich auf eine Flasche mit Haarfärbemittel fällt und der Vertreter ihr versichert, sie würde sich ihre roten Haare damit schwarz färben können, ist sie wie hypnotisiert. Sie kratzt ihre letzten (und einzigen) 50 Cent zusammen und kauft das Mittel.

Anne versucht, ihre gefärbten Haare wieder rot zu machen

Zum Glück schüttet sich Anne die Farbe nicht über ihre ganzen Haare, sondern nur über den unteren Teil. Das Ergebnis ist trotzdem katastrophal: ihre Haare werden grün. (Irgendwie sehen sie im Film eher schlamm-braun oder so ähnlich aus, aber alle sagen, es sei grün.) Anne ist jedenfalls mit sich und der Welt fertig.

Als am Abend Marilla heimkommt, ist die Küche kalt und dunkel, und von Anne ist keine Spur zu sehen. Dabei bleibt es auch, als später Matthew kommt. Marilla ist empört über Annes Pflichtvergessenheit. Durch Zufall entdeckt sie Anne dann später in ihrem Zimmer auf dem Bett liegend. Anne bittet Marilla, sie nicht anzusehen, aber da führt letztlich kein Weg daran vorbei. Marilla ist entsetzt. Ihrer Meinung nach ist Anne sowieso viel zu eitel. Und das ist jetzt ihre Strafe.

Die Farbe sitzt. Sie läßt sich nicht wieder herauswaschen. Und Anne weigert sich von da an, das Haus zu verlassen. Wenn sie jemand so sehen würde, könnte sie das nicht ertragen.

Am nächsten Morgen wartet Diana, die wie jeden Tag mit Anne zusammen zur Schule gehen will. Nachdem Anne nicht auftaucht, geht sie zum Haus. Und dann erfährt sie von Anne, was passiert ist.

Diana wird schweigen. Aber was passiert nun mit den grünen Haaren?

Nach einer Woche verliert Marilla die Geduld, plaziert Anne auf einen Stuhl, holt sich die Schere und schneidet die grünen Haare ab.

Zum Glück hat Anne sich nicht alles grün gefärbt, es ist noch genug übrig für ein zwar kurze, aber gar nicht so üble Frisur in karottenrot. Und so kommt es, daß Anne tatsächlich mal ihren Haaren nachtrauert. Denn von der Farbe abgesehen waren sie doch sehr schön.

Als Anne mit ihrer neuen Frisur wieder in die Schule kommt, ist das eine Sensation. Aber die Schüler gewöhnen sich daran. Und nach und nach wachsen die Haare dann ja auch wieder nach. (Zum Glück geht so was im Film ein bißchen schneller als in Wirklichkeit.)

Teil 31 - Der Lebensretter

Bei den Mädchen ist gerade die Camelot-Legende angesagt. Eines Tages beim Angeln beschließen Diana, Ruby, Anne und Jane, eine Szene daraus nachzuspielen, nämlich die romantische Bootsreise der toten Prinzessin den Fluß hinunter an der Burg vorbei, wo sie dann von den trauernden Rittern und ihrem geliebten Lancelot gesehen und heftig betrauert werden soll.

Gilbert rettet Anne das Leben

Zufällig liegt am Ufer, wo die Mädchen gerade angeln, ein altes Boot, das sich für diese Geschichte geradezu anbietet. Da sich keine traut, muß schließlich Anne die schiffsreisende Verstorbene spielen, was ihr überhaupt nichts ausmacht. Derweil laufen die anderen zu einem kleinen Landvorsprung im Fluß, der die Burg Camelot darstellt, wo sie dann auf das dort hoffentlich irgendwann einlaufende Boot warten.

Doch es kommt anders. Das Boot hat nämlich ein Leck, und Anne wird langsam naß. Erschrocken beendet sie ihre Rolle als totes Burgfräulein und versucht, das Wasser aus dem rasch vollaufenden Boot zu schöpfen. Sie erreicht gerade noch die Brücke und kann sich irgendwie an ihr festhalten, dann geht das Boot unter (wobei ich mich frage, wie ein Holzboot eigentlich untergehen können soll.)

Während dessen fragen die anderen sich, wo Anne denn bleibt. Unter der Brücke können sie sie nicht sehen, aber sie sehen gerade noch das Boot untergehen. Logischerweise brechen sie in Panik aus und rennen los, um Hilfe zu holen. Anne unter der Brücke übersehen sie dabei leider.

*

An diesem Tag hat es noch jemanden zum Angeln an den Fluß gezogen: Gilbert Blythe. Doch das weiß Anne noch nicht, als sie unweit von sich das rettende Boot sieht und um Hilfe ruft. Doch dann, als Gilbert näher kommt, überlegt sie sich, ob sie sich wirklich retten lassen oder unter diesen verschärften Umständen nicht doch lieber ertrinken will. Nun, sie entscheidet sich für die Rettung und läßt sich, wenn auch unter eisigem Schweigen, an Land rudern.

Steif geht sie davon, doch Gilbert hält sie an Arm zurück und bittet sie erneut, doch endlich ihren Groll gegen ihn zu begraben und sich mit ihm zu vertragen.

Gilbert hat Anne das Leben gerettet, und man sieht eindrucksvoll den inneren Kampf, den Anne mit sich ausficht. Doch dann erklärt sie ihm kalt, sie beide könnten niemals Freunde sein. (Das ganze erinnert mich ein bißchen an den römischen Senator Marcus Porcius Cato, der jede seiner Reden mit dem berühmten Satz "Ceterum censeo Karthaginen esse delendam" beendete. Auch ein ansonsten normal funktionierende Verstand kann solche punktuellen Defekte haben.)

Gilbert nimmt das jedenfalls wütend zur Kenntnis und erklärt Anne, daß er sie hiermit das letzte Mal gefragt habe.

Diana und die anderen sind inzwischen wieder zurück und sind überglücklich, daß Anne noch am Leben ist. Und die hat nichts besseres zu tun, als ihren Lebensretter bei den Mädchen auch noch herunterzuputzen.

6. DVD

Teil 32 - Eine aufregende Reise

Es ist September.

Anne treibt gerade die Kühe in den Stall und erzählt ihnen dabei eine ihrer Geschichten, als Diana mit aufregenden Neuigkeiten angelaufen kommt: ihre Tante Josephine hat sie und Anne zur Landwirtschaftsmesse nach Charlottetown eingeladen!

Anne rezitiert vor den Ochsen

Zu Annes Überraschung verbietet Marilla es ihr nicht nur nicht, sondern findet das sogar eine gute Idee.

Und so sitzt Anne an einem der nächsten Tage zusammen mit Diana in der Kutsche und läßt sich von Herrn Barry nach Charlottetown kutschieren.

Schnell geht es mit der Pferdekutsche nicht, die Reise dauert fast einen halben Tag, aber Diana und Anne wird es keine Sekunde langweilig. Herr Barry kann nur darüber staunen, was die beiden sich die ganze Zeit über zu erzählen haben. Aber sie sehen sich ja so selten, höchstens dreimal am Tag, und da hat man natürlich unendlich viele wichtige Dinge zu besprechen.

Als sie dann ankommen und Herr Barry die beiden Mädchen bei Tante Josephine abliefert, kommen Diana und vor allem Anne nicht aus dem Staunen heraus. Denn Tante Josephine ist wirklich reich und wohnt in einer großen, exclusiven Villa mit einer Einrichtung, von der Anne noch nicht mal hätte träumen können. Und auch der Rest der großen Stadt beeindruckt das kleine Mädchen ganz gewaltig.

Tante Josephine freut sich über den Besuch und meint zu Anne, sie sei in der kurzen Zeit, seit sie sich das letzte Mal gesehen haben, ein gutes Stück gewachsen und sehr hübsch geworden. Das geht Anne natürlich runter wie Öl.

*

Die Landwirtschaftsmesse beginnt am nächsten Tag und wird mit einem Feuerwerk eröffnet. Anne ist von dem, was da so alles geboten wird, schwer beeindruckt.

In einer der Hallen werden Handarbeiten und landwirtschaftliche Produkte ausgestellt, die wegen ihrer hohen Qualität einen Preis gewonnen haben. Anne ist überrascht, welche Namen sie da zu lesen bekommt. Ihre Klassenkameradin Josie Pye zum Beispiel hat den ersten Preis für ihre Spitzendecke bekommen. Der Vater von Jane Andrews hat für seine schönen Äpfel einen zweiten Preis bekommen. Und Rachel Lynde hat einen ersten Preis für ihren Käse eingeheimst. Dabei hat Anne noch nicht mal gewußt, daß sie überhaupt Käse macht. Die drei treffen Frau Lynde sogar persönlich, doch als Tante Josephine die beiden Mädchen zur Trabrennbahn mitnehmen will, weigert Frau Lynde sich strikt, sie zu so einem verwerflichen Ort zu begleiten.

Dafür finden die beiden Mädchen das Rennen umso spannender.

Auch der Rest des Tages verläuft für alle drei ausgesprochen erfreulich. Und die Nacht verbringen Diana und Anne dann in einem edlen Himmelbett in Tante Josephines schönstem Gästezimmer.

Am zweiten Tag führt Tante Josephine die Mädchen ins Konzert aus. Auch das ist für Anne das erste Mal, und sie ist tief ergriffen von dem Gebotenen. Nach der Vorstellung ist es schon Nacht, und Tante Josephine lädt die Mädchen noch zum Eis ein. Es ist einfach fantastisch.

Die Tage gehen schnell herum, und am Freitag kommt Herr Barry wieder und holt die Mädchen ab. Tante Josephine fällt der Abschied schwer. Sie denkt sich, sie hätte auch gerne ein Mädchen wie Anne, nur daß sie jetzt dafür zu alt ist.

Jedenfalls - Marilla ist sehr froh, als Anne wieder zuhause ist. Sie hat sie sehr vermißt in den vier Tagen. Und Anne findet es zuhause auch am schönsten. Besonders, wenn es als Willkommens-Essen extra ein Hähnchen gibt. Sie ist an diesem Abend einfach rundum glücklich.

Teil 33 - Der vergiftete Apfel

Lehrerin Stacey unterhält sich mit den älteren Schülern über ihre Vorstellungen von ihrer Zukunft. Auf dem Nachhauseweg setzen Diana und Anne diese Unterhaltung fort. Allerdings fällt Anne aus allen Wolken, als Diana ihr schließlich beichtet, daß sich ihre Pläne geändert haben. Irgendwie hat Diana sich verändert, sie hält Annes Gerede von Elfen, Zwergen und Waldfeen für kindisch. Dafür seien sie doch inzwischen zu alt. Viel wichtiger sei es, sich zu überlegen, ob und wen man heiratet.

Anscheinend haben die beiden sich mal geschworen, nie zu heiraten, und Anne ist empört, daß Diana offenbar ernsthaft vorhat, dieses Versprechen zu brechen beziehungsweise anscheinend schon dabei ist. Denn es gibt Jungen, die sich für Diana interessieren, und Diana erwidert dieses Interesse.

Die beiden geraten in Streit und gehen dann jede für sich nach Hause.

Anne hat Jerry seine Äpfel weggefressen

Auf Green Gables ist gerade niemand da. Anne sucht im Stall nach Matthew und stolpert dabei über ein paar wunderschöne rote Äpfel, die sie vergnügt verputzt. Etwas später kommt Jerry und meint zu ihr, er hätte diese Äpfel mit Rattengift vergiftet und dort als Köder ausgelegt, um ein paar Ratten um die Ecke zu bringen.

Anne sieht ihr letztes Stündlein gekommen und rennt ins Haus. Daß Jerry ihr noch hinterherruft, das sei doch nur Spaß gewesen, hört sie nicht mehr. Statt dessen wird sie von Todesangst geschüttelt und glaubt felsenfest, nur noch kurze Zeit zum Leben zu haben. Sie weiß nicht, wie schnell Rattengift wirkt und macht sich zitternd daran, ihre Abschiedsbriefe zu schreiben.

Vor allem tut es ihr jetzt sehr leid, daß sie sich mit Diana gestritten hat.

Später kommt Marilla nach Hause und wundert sich, warum keine Kerze brennt und der Ofen auch aus ist. Anne kommt zu ihr geschlichen und erzählt ihr, was passiert ist. Allerdings ist schon eine Stunde verstrichen und Marilla glaubt nicht so recht an diese Rattengift-Geschichte.

Zum Glück ist Jerry noch da, und so klärt sich die Sache schnell. Immerhin haben die Äpfel ihm gehört, Anne hätte sie also nicht einfach essen dürfen. Das ist ihr im Moment aber egal, sie wird fuchsteufelswild, und Jerry zieht es vor die Flucht zu ergreifen.

Nachdem sich die Lage wieder beruhigt hat, kommt Marilla auf ein Gespräch mit Frau Stacey zu sprechen, das die beiden am Nachmittag hatten. Nach Frau Staceys Meinung sollte Anne auf die Queens Oberschule in Charlottetown gehen. Für ihre Schüler, die weit genug sind und Interesse und Talent haben, will sie sogar Extra-Unterricht geben. Anne ist überwältigt. Und Marilla und Matthew, der inzwischen auch hereingekommen ist, versichern ihr, daß sie sich um das Geld, das das kosten wird, keine Gedanken zu machen braucht. Sie soll die beste Erziehung bekommen, die möglich ist, weil auch ein Mädchen für sich selbst sorgen können sollte. Jetzt ist Anne noch überwältigter, auch wenn bis dahin noch eineinhalb Jahre Zeit sind.

Teil 34 - Getrennte Wege

Anne muß einiges an Überredungskunst aufbieten, damit Diana ihr verzeiht und sich wieder mit ihr verträgt. Hilfreich dabei ist, daß sie am Vortag dem schrecklichen Tode ins Auge geblickt hat.

Voller Stolz erzählt Anne Diana dann, daß sie auf die Queens Oberschule gehen wird. Wie selbstverständlich geht sie davon aus, daß Diana das auch vorhat. Sie fällt aus allen Wolken, als Diana ihr erklärt, daß dem keineswegs so ist. Sie bleibt in Avonlea.

Schneesturm

Nun, als nächstes ist es für Anne vollkommen klar, daß Diana in Wahrheit nach Queens will, ihre Eltern ihr das aber verboten haben, aus welchem undurchsichtigen Grund auch immer. Diana drückt sich auch nicht sehr deutlich aus, und so schlägt Anne vor, mit Dianas Eltern zu reden. Doch das ist Diana auch nicht recht. Denn im Grunde ist es durchaus ihr eigener Wunsch.

Das macht später Marilla Anne klar. Dianas Entscheidungen gehen Anne nichts an, und wenn sie nicht studieren will und sich für ihre Zukunft einen anderen Weg vorstellt (sie will heiraten und eine gute Ehefrau werden), dann hat Anne das zu akzeptieren. Und das tut sie auch, nachdem sie das erst mal kapiert hat.

Am nächsten Morgen taucht sie ganz früh bei Diana auf und entschuldigt sich bei ihr. Wichtig ist nur, daß sie Freundinnen bleiben, erst Recht, wenn sich ihre Wege trennen. Und so wiederholen sie ihren feierlichen Schwur von ersten Tag (diesmal ohne fließendes Wasser). Diana ist sehr froh, daß diese Sache jetzt geklärt ist, denn sie liebt Anne sehr.

Am Nachmittag beginnt dann der Extra-Unterricht. Teilnehmer: Josie Pye, Ruby Gillis, Anne Shirley, Jane Andrews, Gilbert Blythe, Charlie Slown und ein Junge namens Moody Spurgon.

Es wird für Anne und die anderen eine recht harte Zeit, sie müssen viel büffeln. Aber sie wissen, wofür sie lernen, und so machen sie voller Energie mit. Aber Anne wird nicht nur angetrieben von ihrem Wunsch Lehrerin zu werden, sondern auch von ihrem Konkurrenzkampf gegen Gilbert. Sie redet immer noch nicht mit ihm und setzt alles daran besser zu sein als er. Und da Gilbert ein sehr aufgeweckter Junge ist, muß Anne sich gewaltig anstrengen.

Anne erzählt Matthew und Marilla, was sie in den Extra-Stunden so alles erlebt. Es ist interessant zu hören, aus welchen Gründen die einzelnen Leute eigentlich studieren wollen. Da ist alles dabei.

*

So langsam ist Annes Wut auf Gilbert verraucht, doch der hat inzwischen den Spieß umgedreht. Er ist zu den Mädchen sehr nett, hilft ihnen und bringt nach der Schule manchmal die eine oder andere nach Hause. Anne jedoch ist für ihn nur Luft. Und das paßt ihr gar nicht. Aber daran ist sie selbst schuld: wie man sich bettet, so liegt man.

*

Es ist inzwischen Winter geworden und über der Prinz-Edward-Insel tobt ein heftiger Schneesturm. In der Schule wird das Holz knapp. Schließlich geht der Ofen ganz aus und es wird eisig kalt. Die drei Jungen beschließen, zur nahegelegenen Andrews-Farm zu gehen und Hilfe zu holen. Die Mädchen zittern vor Angst und Kälte, aber sie werden gerettet, und Gilbert, Charlie und Moody sind die Helden des Tages.

Teil 35 - Heimliche Sorgen

Der Frühling hält Einzug auf der Prinz-Edward-Insel. Überall blüht es. Und Anne ist traurig, weil sie nur noch sehr wenig Zeit hat, diese Schönheiten der Natur zu genießen. Denn sie muß ja die ganze Zeit lernen.

Eines Tages geht das Gerücht um, Frau Stacey würde an der Avonlea-Schule aufhören. Das versetzt die Schüler in große Unruhe, denn sie mögen ihre Lehrerin sehr. Und mehr noch, sie sind praktisch auf sie angewiesen, denn die wenigsten rechnen sich Chancen aus, ohne die Extra-Klassen die Aufnahmeprüfung für die Oberschule zu bestehen.

Matthew hat einen Herzanfall

Sorgen macht sich aber auch Marilla, denn Anne lernt ihrer Meinung nach zu viel und ruiniert auf diese Weise ihre Gesundheit. Und tatsächlich ist Anne in letzter Zeit sehr müde, weil sie ständig bis spät in die Nacht über ihren Büchern sitzt.

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Am nächsten Tag entläßt Frau Stacey ihre Schüler in die Sommerferien. Josie faßt sich ein Herz und fragt sie ganz direkt, ob sie sie im nächsten Schuljahr überhaupt wiedersehen werden. Doch sie kann sie beruhigen: ja, sie wird gehen, aber erst, wenn sie alle sieben auf der Oberschule untergebracht hat.

Mit dieser Information können nun Anne und die anderen beruhigt in die Ferien gehen und die Zeit genießen - ein letztes Mal.

Anne sammelt alle ihre Bücher ein, bringt sie auf den Speicher und verschließt sie in einer Kiste, denn sie will sie erst mal nicht mehr sehen, sondern den schönen langen Sommer in vollen Zügen genießen. Denn es sind ihre letzten Sommerferien als Kind.

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Matthew hat einen Herzanfall. Es ist nicht sein erster, und Marilla hat allen Grund, sich über ihren Bruder Sorgen zu machen, auch wenn der Arzt später meint, wenn Matthew ein bißchen kürzer treten und sich nicht mehr so überanstrengen würde, wäre es nicht so schlimm. Später meint er allerdings zu Marilla, Anne sei in letzter Zeit so blaß, sie sollte sich mehr an der frischen Luft aufhalten statt immer nur zu lernen und über ihren Schulbüchern zu brüten. Marilla nimmt sich diesen Rat sehr zu Herzen. Daß Anne ihre Schulbücher weggeschlossen hat, sieht sie jetzt in einem anderen Licht. Sie ist nun fest entschlossen, Anne zu besonders schönen und entspannten Sommerferien zu verhelfen. Sie und Matthew beschließen deshalb erst mal, ihr nichts über den Herzanfall zu sagen, denn sonst würde sie sich nur Sorgen machen, statt ihre Ferien zu genießen.

Viel Ermutigung braucht Anne natürlich nicht, um eine wundervolle Zeit zu verleben, und meistens ist sie mit Diana zusammen.

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Am nächsten Tag besucht Rachel Lynde Marilla. Sie ist voll des Lobes über Anne, die sich in nur drei Jahren von einem kleinen, bockigen Wildfang zu einer zutraulichen, verantwortungsbewußten und sehr schönen jungen Dame entwickelt hat. Das hört Marilla natürlich sehr gern. Auch sie ist auf ihr Mädchen sehr stolz.

Teil 36 - Die letzten Sommerferien

Diana und Anne verbringen zusammen ihre voraussichtlich letzten gemeinsamen Sommerferien. Die wenig berührte Natur der Prinz Edward Insel bietet zahlreiche idyllische Orte dafür.

Aber die beiden Mädchen sind nicht nur draußen. An einem Tag lädt Herr Barry sie in die Stadt zum Abendsessen ein, und zwar in das super vornehme White Sands Hotel. Dort kann man die allerneuste technische Errungenschaft bewundern: elektrisches Licht. (Schon deswegen kann die Geschichte nicht 1870 beginnen, denn kommerziell verwendbare Glühlampen wurden erst 1879 entwickelt.) Anne und Diana sind begeistert. Allerdings, mit dem Hummer, der ihnen serviert wird, tun sie sich schon ein bißchen schwer. Aber Damen der Gesellschaft müssen auch sowas können.

Diana und Anne nehmen Minie May mit zur Schule

*

Die Sommerferien sind einfach wundervoll, doch auch diese Zeit geht einmal zuende. An einem der letzten Ferientage besuchen die beiden Mädchen mal wieder ihr "Schloß", das idyllische Birkenwäldchen. Doch die Bäume sind gefällt. Diana und Anne sind sehr traurig. Es ist wie ein Symbol für das Ende ihrer Kindheit, dessen werden sie sich in diesem Moment schmerzlichst bewußt. Ein paar ihrer Einrichtungsgegenstände liegen noch herum, und sie denken wehmütig an eine Zeit zurück, die nie mehr wiederkommen wird. Die Zeit von Annes Elfen und Waldfeen ist für immer vorbei.

Als Anne an diesem Abend nach Hause kommt, holt sie ihre Schulbücher wieder herunter. Der Vergangenheit nachzutrauern hat keinen Sinn, vor allem, wenn die Zukunft viele schöne und interessante Dinge verspricht.

Und dann geht die Schule wieder los. Für Anne und Diana gibt es eine Veränderung: sie haben auf ihrem täglichen Schulweg eine neue Begleiterin: Minie May, die heute ihren ersten Schultag hat. "Ab heute bin ich groß", sagt sie und freut sich.

Und Anne lernt wieder Tag und Nacht. Denn sie will, koste es was es wolle, besser abschneiden als Gilbert. Für Marillas Geschmack lernt sie viel zuviel. Aber wenigstens soll Anne sich nicht auch noch um Marillas und Matthews Gesundheit Sorgen machen müssen, deshalb erwähnt sie Matthews häufige Herzanfälle und ihre ständigen Kopfschmerzen Anne gegenüber nicht.

Matthew ermahnt sie, endlich mal zum Arzt zu gehen. Und das tut sie dann tatsächlich auch.

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Annes Club der Dichter gibt es immer noch, obwohl die Mädchen eigentlich keine Zeit mehr dafür haben, und eigentlich auch keine Lust mehr, ausgenommen Diana. Sie ist die einzige, die nicht auf die Hochschule gehen wird, also hat sie recht viel Zeit. Immerhin treffen sich alle noch einmal im Monat zum Tee. Ruby schlägt schließlich vor, den Club aufzulösen. Diana ist darüber sehr bedrückt, sie fühlt sich als nicht mehr zugehörig. Aber so hat sie sich nun mal entschieden.

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Am Abend trägt Marilla eine Brille. Ihre Kopfschmerzen kamen anscheinend davon, daß sie nicht mehr so gut sieht. Aber im Gegensatz zu Matthew ist bei ihr ja leicht Abhilfe möglich und so nimmt sie es mit der für sie typischen Gelassenheit hin.

Teil 37 - Ein großer Tag für Carmody

Es wird Winter und wieder Frühling.

Carmody steht ein großes Ereignis ins Haus: die Bahnstrecke wurde nämlich dorthin verlängert. Bald wird der erste Zug gehen, und zu diesem Anlaß wird es natürlich ein großes Fest geben.

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Tante Josephine kommt mit dem Zug

Vier Jahre ist Anne nun auf Green Gables. Und sie ist groß geworden. Marilla kann sich nur wundern. War Anne nicht gerade eben noch ein kleines Mädchen? Und noch dazu wird sie in etwa drei Monaten in der großen Stadt wohnen und die Oberschule besuchen. Marilla ist darüber sehr wehmütig und traurig.

Diana erzählt Anne, daß Tante Josephine zu Besucht kommen wird, und zwar mit dem neuen Zug. Anne meint, Tante Josephine müßte jetzt uralt sein. Aber so ist es nicht. Tante Josephine ist immer gleich alt. Ganz anders als Anne verändert sie sich nie.

Matthew hat Anne ein neues Bett versprochen. Sie kommt gerade von der Schule zurück, als er und Jerry es mit dem Pferdewagen bringen und versuchen, es die Treppe hochzuhieven.

Das Bett ist sehr schön, schön romantisch sozusagen. Es gefällt Anne sehr und paßt auch gut in ihr Zimmer.

*

Der große Tag ist da, und zu diesem Anlaß läßt Frau Stacey sogar ihren Extra-Unterricht mal ausfallen, ausnahmsweise. Alle gehen zum neuen Bahnhof und jubeln dem einfahrenden Zug zu. Endlich lebt man auch in Carmody nicht mehr hinter dem Mond.

Und so kommt Anne nun doch dazu, Tante Josephine persönlich willkommen zu heißen. Und die erkennt Anne kaum wieder, so groß wie sie geworden ist.

Tante Josephine residiert natürlich auf der Barry-Farm, aber sie kommt auch mal rüber nach Green Gables, um Anne, Matthew und Marilla zu besuchen. Man versteht sich sehr gut, und Tante Josephine bietet Anne an, daß sie bei ihr in Charlottetown wohnen kann, wenn sie dort die Aufnahmeprüfungen macht. Anne findet das eine tolle Idee, und Marilla und Matthew sind sehr erleichtert, denn sie haben sich schon überlegt, wo Anne während dieser Zeit wohl wohnen könnte. Diese Sorge sind sie jetzt los.

7. DVD

Teil 38 - Ausgerechnet Nummer 13

Die Aufnahmeprüfung nähert sich mit riesen Schritten, und Anne und die anderen lernen von Morgens bis Abends und können an nichts anderes mehr denken. Immerhin versichert Frau Stacey ihnen allen, daß sie die Prüfung aller Wahrscheinlichkeit nach bestehen werden, denn ihre Vortests waren sehr gut. Frau Stacey verspricht ihren Schülern auch, daß sie während der Prüfungstage bei ihnen sein wird.

Annes Schulnoten

Die Schüler bekomme für die Prüfung eine Art Teilnahme-Nummer, und Anne ist entsetzt, daß sie ausgerechnet die Nummer 13 hat. Was macht sie nur, wenn sie nun durchfällt! Marilla gibt ihr eine für sie typische Antwort: dann geht sie halt ein Jahr länger auf die Schule und tritt nächstes Jahr wieder an. So einfach ist das.

Ende Juni ist es dann soweit. Frau Stacey verabschiedet sich von den jüngeren Schülern, was wieder für viele Tränen sorgt. Für Anne, Ruby und die fünf anderen ist es auch der Abschied von ihrer alten Schule. Diana wird nach den Ferien wieder hingehen, aber ein anderer Lehrer wird da sein, dafür Anne, Jane, Gilbert und die anderen nicht mehr. Und so weint sie mit Anne zusammen.

Anne allerdings hat große Zweifel, ob sie die Prüfung bestehen wird. Sie ist furchtbar nervös, und dann hat sie auch noch die Nummer 13.

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Eigentlich wollte Matthew Anne mit der Kutsche nach Charlottetown fahren. Doch in der Nacht davor hat er mal wieder eine Herzattacke. Marilla erzählt Anne das natürlich nicht, aber sie muß trotzdem mit dem Zug fahren.

In Charlottetown holt Tante Josephine Anne dann ab. Sie freut sich riesig über ihren Besuch. Auf dem Weg macht die Kutsche vor dem Schulgebäude halt und Anne kann schon mal den Ort besichtigen, an dem sie die nächsten vier Tage ihre Prüfungen schreiben wird. Sie ist recht beeindruckt.

Und sie will, daß Marilla und Matthew stolz auf sie sind.

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In der kommenden Woche sind dann die Prüfungen. Es ist für Anne und die anderen eine sehr anstrengende Zeit, vielleicht ausgenommen Josie Pye, die das ganze recht leicht nimmt. Sie studiert sowieso nur zum Spaß. Die anderen sind furchtbar nervös und sehen ihre Zukunft schon in den schwärzesten Farben. Frau Stacey gibt sich alle Mühe, ihre Schüler zu beruhigen, und das kann sie ganz gut.

Jeden Tag schreibt Anne Diana, wie es ihr so ergangen ist. Und so erfahren es umgehend auch Marilla und Matthew.

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Am Donnerstag ist der letzte Prüfungstag, und nachdem alles herum ist, verabschieden Anne und die anderen sich von Frau Stacey.

Am Freitag fährt Anne dann nach Hause zurück. Alle sind froh, daß sie wieder da ist. Für Anne aber beginnt nun das nervenaufreibende Warten auf die Ergebnisse.

Teil 39 - Endloses Warten

Jeden Tag sitzen die Mädchen vor dem Postamt und warten auf die Zeitung, in der die Prüfungsergebnisse veröffentlicht werden - wenn sie denn endlich kommen. (Namen und Noten in aller Öffentlichkeit in der Zeitung bekanntzugeben wäre in Deutschland völlig undenkbar, aber man sieht den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte ja nicht überall auf der Welt so hysterisch wie bei uns.)

Es ist für die Mädchen, aber im Grunde auch für Gilbert, Moody und Charlie, eine nerzenzehrede Zeit. Die Ungewißheit ist fast noch schlimmer, als wenn sie wüßten, daß sie durchgefallen wären. Es vergeht ein Tag nach dem anderen, aber die Liste kommt einfach nicht.

Ruby betet, daß sie die Prüfung bestanden hat

Frau Allan rät Anne, diese sinnlose Warterei aufzugeben und mit ihren Sommerferien etwas besseres anzufangen. Und so beschließt Anne, Matthew auf dem Feld zu helfen. Das ist eine hochwillkommene Abwechselung. Die Arbeit ist anstrengend, macht viel Spaß, Anne denkt keine Sekunde mehr an die Prüfung, am Abend hat sie zum ersten Mal sein Wochen einen Bärenhunger, und danach ist sie so müde, daß sie einfach nur ins Bett fällt und sofort einschläft. Sie kommt nicht mal mehr dazu, sich vorher die Schuhe auszuziehen.

Obwohl diese Arbeit recht anstrengend ist, findet Anne daran Gefallen, auch wenn Matthew und Marilla eigentlich der Meinung sind, daß das ganz und gar keine Arbeit für Mädchen ist, sondern nur jetzt mal ausnahmsweise.

Diana kommt ganz aufgeregt angelaufen. Sie hat die Zeitung mit der lange ersehnten Liste. Anne ist bei der Prüfung erste geworden, Gilbert zweiter, und die fünf anderen haben auch alle bestanden!

Anne kann es erst mal gar nicht fassen, dann aber ist sie einfach nur noch unendlich erleichtert. Diana, Marilla, Rachel Lynde und Matthew sind wahnsinnig stolz auf Anne.

Und dann laufen Anne und Diana zu jedem hin und verbreiten die frohe Nachricht.

Teil 40 - Ein großer Erfolg

Im White Sands Hotel wird ein Wohltätigkeitsabend zugunsten eines Krankenhauses abgehalten, und Frau Lynde, die im Komitee ist, fragt Anne, ob sie nicht ein Gedicht aufsagen will. Marilla ist über dieses Angebot sehr geschmeichelt, und Matthew platzt fast vor Stolz. Er fährt ins Dorf und kauft Anne eine Perlekette!

Anne ist einfach sprachlos, als sie die Kette geschenkt bekommt. Für Kleid und Frisur ist Diana zuständig, und sie macht aus Anne eine Prinzessin. Bis auf die Perlenkette, die sie sehr kritisch mustert (warum, erfahren wir am Ende dieser Folge: die Perlen sind nicht echt, und das merkt Diana natürlich sofort.) Sie zieht Anne die Kette trotzdem an, und so herausgeputzt sieht sie einfach umwerfend aus.

Und dann ist es schon soweit.

Anne, Diana und Jane im White Sands Hotel

Im White Sands trifft sich an diesem Abend die Creme de la Creme der ganzen Insel mindestens. Jane, Diana und Anne sind mächtig beeindruckt, vor allem auch von dem Reichtum, der hier herumläuft. Echte Diamanten, vor allem in der Größe und Menge, bekommen die Mädchen aus Avonlea nicht jeden Tag zu sehen.

Auch Gilbert kommt an diesem Abend, und er ist in Begleitung von Josie Pye.

Das Ambiente und die teilweise ziemlich arroganten Leute machen Anne nervös. Direkt vor ihr spricht eine berühmte Schauspielerin, und das entmutigt sie so gründlich, daß sie es kaum auch nur auf die Bühne schafft. Zitternd, verzweifelt und demoralisiert schaut sie auf das gespannte Publikum - bis sie Gilbert sieht. Sein Anblick macht sie so wütend, daß sie ihre Angst schlagartig vergißt. Und so kommt es, daß sie dann doch noch einen ergreifenden Vortrag hinlegt. Das Publikum ist so angetan, daß Anne sogar noch ein Zugabe geben muß. Wer hätte das gedacht.

Übrigens ist Anne hier sogar recht berühmt. Als ihr Name genannt wird, wissen viele, daß sie bei der Aufnahmeprüfung zur Oberschule als beste abgeschnitten hat.

Und einigen wichtigen Leuten im Publikum ist sie ebenfalls aufgefallen. Ein Maler würde 'dieses Mädchen mit dem hervorragenden Tizian-Haar' zum Beispiel gerne malen.

*

Spät in der Nacht fahren die Mädchen wieder nach Hause. Anne ist mit sich und der Welt zufrieden, auch wenn sie keine Diamanten, sondern nur Kunstperlen um ihren schönen langen Hals trägt.

Teil 41 - Ein überraschendes Angebot

Für Anne heißt es langsam Koffer packen. Wobei Marilla wesentlich mehr Reisefieber hat als Anne, obwohl sie selbst ja gar nicht fährt.

Während Anne und Diana Abschied nehmen, reden Rachel Lynde und Marilla über Annes Zukunft. Frau Lynde findet es etwas bedenklich, daß Anne ab jetzt nur noch selten zuhause ist und statt dessen die meiste Zeit in Charlottetown leben wird, und das mit 15. Und schlimmer noch: was, wenn sie womöglich Green Gables für immer verläßt?

*

Anne in ihrem neuen Kleid

Es kommt ein Telegramm von Frau Spencer, in dem sie für den nächsten Tag ihren Besuch ankündigt.

Am Tag darauf kommt sie also, und sie hat erstaunliche Nachrichten: bei Annes Aufführung vor ein paar Tagen im White Sands hat sie die Aufmerksamkeit eines steinreichen Amerikaners auf sich gezogen. Und der möchte sie nun adoptieren, um für sein riesiges Vermögen einen Erben zu haben.

Als sie von dem ganzen Geld erzählt, kommt Anne sich vor wie Aschenputtel, und hört Frau Spencer voller Begeisterung und mit leuchtenden Augen zu. Die beiden gehen dann in Annes Zimmer und lassen Marilla und Matthew ziemlich verwirrt in der Küche zurück.

Sie fragen sich ängstlich, ob Anne dieses äußerst verlockende Angebot wohl tatsächlich annimmt, und schleichen sich hoch, um mal zu horchen, wie es so steht.

Tja, und so bekommen sie mit, wie Anne Frau Spencer in aller Unschuld eine Korb gibt. Sie erklärt, daß sie nicht eine Sekunde daran gedacht hat, diese Schnapsidee anzunehmen, daß es aber so schön war, mal davon zu träumen. Marilla und Matthew lachen sich kaputt, und Frau Spencer rauscht beleidigt ab.

*

Marilla hat von Rachel Lynde gehört, daß Ruby, Josie und Jane Abendkleider bekommen haben. Das läßt Marilla nicht mehr los und sie beschließt, daß Anne auch eins haben muß, damit sie hinter den anderen nicht zurückstehen muß. Da sie selbst sowas nicht machen kann, organisiert sie sich die Hilfe von ein paar Leuten, die etwas davon verstehen: Frau Allan, die für ihren guten Geschmack bekannt ist, sucht den Stoff aus, und Amily Gillis wird das Kleid nähen, denn sie ist berühmt dafür, daß ihre Kleider immer perfekt sitzen.

*

Ein paar Tage später ist das Kleid dann fertig. Am Abend führt Anne es Matthew und Marilla vor. Sie bedankt sich bei ihnen damit, daß sie nochmal das Gedicht aufsagt, mit dem sie im White Sands so viel Erfolg gehabt hat. Wie eine Märchenprinzessin steht Anne im Zimmer und trägt das Gedicht vor. Marilla und Matthew sind tief ergriffen. Marilla denkt daran, daß sie um Haaresbreite Anne gar nicht behalten hätte, und kann die Tränen nicht zurückhalten. Aus dem kleinen, vorlauten rothaarigen Mädchen ist ein wunderschöner Engel geworden, ihre Anne. Sie ist jetzt so gut wie erwachsen, eine elegante Dame, die fast gar nicht mehr auf einen einfachen Bauernhof paßt. Doch dem wiederspricht Anne entschieden: sie wird immer Marillas und Matthews kleine Anne bleiben, die kleine Anne, die nach Green Gables gehört. Sie legt ihren Kopf auf Marillas Schoß, und die streichelt sie über ihr Haar.

Matthew sagt nichts. Er geht nach draußen. Dort spricht er so eine Art Gebet, wahrscheinlich sein erstes seit Jahrzehnten. Daß Anne zu ihnen gekommen ist, muß wahrhaftig göttliche Fügung gewesen sein. Anne hat für ihn und seine Schwester mehr getan als die beiden umgekehrt für Anne, denn ohne Anne wären die beiden das geblieben, was sie vorher waren: zwei verknöcherte Alte.

*

Der Tag der Abreise ist gekommen, aber Anne verspricht, daß sie alle ihre Ferien zuhause verbringen wird. Doch bis dahin wird es auf Green Gables (und auch in Dianas Leben) ziemlich ruhig.

Teil 42 - Das Studentenleben

Matthew fährt Anne per Kutsche nach Charlottetown. Er vermißt sie jetzt schon, dabei ist sie noch nicht mal weg.

Am Ziel angekommen lädt Anne ihn zum Eis ein, denn er hat noch nie welches gegessen. Dann fahren sie zu Tante Josephine, die Anne schon sehnsüchtig erwartet. Anne wird aber nicht bei ihr wohnen, weil ihr Haus etwas außerhalb ist, sondern bei einem älteren Ehepaar, das von der Hochschule vermittelt wurde.

Die beiden sind etwas steif, und am ersten Tag, so ganz allein in der fremden Stadt und am Anfang eines neuen Lebensabschnittes, fühlt Anne sich sowieso nicht besonders glücklich.

Matthew fährt gleich wieder zurück. Erst tief in der Nacht kommt er wieder an. Er und Marilla sind sehr bedrückt. Anne ist ja eigentlich nicht aus der Welt, aber in dieser Nacht vergießt Marilla viele Tränen.

*

Josie besucht Anne

Zumindest für Anne sieht die Welt am nächsten Tag wieder viel schöner aus. Schließlich kennt sie einige der Schüler an der neuen Schule, und auf die, die sie noch nicht kennt, ist sie sehr neugierig.

Außerdem wird Anne die Sonderklasse für Hochbegabte besuchen, übrigens zusammen mit ihrem Rivalen Gilbert (und 48 weiteren Schülern). Wer hier als bester abschneidet, bekommt ein Stipendium, mit dem er vier Jahre an der renommierten Redmond-Universität studieren kann. Außerdem gibt es noch eine Goldmedaille zu gewinnen. Und Anne ist natürlich scharf darauf. Das bedeutet allerdings Lernen, Lernen, Lernen.

Da Anne davon ausgeht, daß auch Gilbert die Medaille und das Stipendium will, fällt es ihr allerdings relativ leicht, alles zu geben. Was bedeutet, daß sie außer Lernen nicht mehr viel anderes machen kann.

Am Abend hat Anne großes Heimweh. Sie will sich gerade ihrem Weltschmerz hingeben, als Josie sie besuchen kommt, um sie ein bißchen zu ärgern. Trotzdem freut Anne sich über ihren Besuch. Und dann kommen auch noch Jane und Ruby, die auch Heimweh (und Tränen in den Augen) haben - im Gegensatz zu Josie: die hat eher Hunger und frißt Anne die Kekse weg, die Marilla ihr noch mitgegeben hat.

Teil 43 - Der Traum vom Stipendium

Es ist Freitag und Anne fährt nach Hause, wo Diana, Marilla und die anderen schon auf sie warten. Denn ohne sie ist es auf Green Gables ziemlich einsam. Und Anne freut sich auf diese Wochenenden natürlich auch. Obwohl ihr das Studium durchaus Spaß macht.

Zusammen mit ihr fahren natürlich auch die anderen nach Hause. Zur Zeit sind gerade Ruby und Gilbert zusammen, aber Ruby hat noch weitere Verehrer, denn sie ist das hübscheste Mädchen auf der Queens-Oberschule und kann sich nicht so recht entscheiden.

*

Ruby hat sich die Haare hochgesteckt

Anne erzählt Diana, daß sie versuchen wird, das Averey-Stipendium zu bekommen. Was aber bedeutet, daß sie dann vier Jahre lang fort ist. Deswegen weiß sie nicht so recht, wie sie das Matthew und Marilla beibringen soll.

Dafür hat sie Marilla aber ein Geschenk mitgebracht, einen Seidenschal. Marilla freut sich zwar, schimpft aber auch, daß Anne nicht ihr knappes Geld für sowas zum Fenster hinauswerfen sollte. Aber ab und zu muß sowas halt mal sein.

Anne erzählt von ihrer neuen Bekanntschaft Priscilla Grant. Von dem Stipendium erzählt sie allerdings nichts.

*

Anne genießt das Wochenende zuhause und hilft Marilla und Matthew im Haus und auf dem Hof. Matthew schenkt ihr das Kälbchen, das zwei Tage zuvor auf die Welt gekommen ist, und Anne gibt ihm den Namen Dolly (obwohl das eigentlich eher ein Name für Schafe ist ;-)

In diesem Jahr gibt es eine besonders große Apfelernte. Zu dritt fahren sie eine Wagenladung nach Bright River, um daraus Apfelsaft pressen zu lassen. Anne stellt fest, daß es tatsächlich das erst mal ist, daß sie zu dritt irgendwo hinfahren. Und wie immer genießt sie die Fahrt durch die idyllische Landschaft.

Nach dem Apfelauspressen gehen die drei noch Einkaufen, sie brauchen Vorräte für den Winter.

*

Das Wochenende ist rum und Anne muß wieder nach Charlottetown. Diana bringt sie noch zum Zug und Anne meint etwas traurig, daß sie leider Marilla und Matthew nichts von dem Stipendium erzählt hat. Die beiden erfahren das allerdings gerade von Rachel Lynde, die wie immer bestens informiert ist. Marilla ist von dem Gedanken, daß Anne noch vier Jahr weg sein wird, und sogar noch viel weiter weg als jetzt, nicht sehr begeistert. Aber sie ist fest entschlossen, Anne die beste Ausbildung zu geben, die es gibt, oder ihr dabei zumindest keine Steine in den Weg zu legen.

Sie erzählt Rachel, warum sie und Matthew Anne bisher noch nicht adoptiert haben: eben weil sie sie nicht an Green Gables binden wollen. Anne hat immer davon geträumt Lehrerin zu werden. Und die beiden sind entschlossen, alles zu tun, damit Annes Traum wahr wird. Und daß Anne außergewöhnlich begabt, talentiert und fleißig ist, weiß inzwischen ja auch jeder. Also soll sie ihren eigenen Weg gehen, und der sieht wahrscheinlich kein Leben als Bäuerin vor.

8. DVD

Teil 44 - Heimweh und Prüfungsangst

Marilla und Matthew bekommen von Anne einen Brief: sie muß für die bevorstehende Abschlußprüfung sehr viel lernen, außerdem liegt in diesem Winter ungewöhnlich viel Schnee, sodaß nicht mal mehr der Zug durchkommt, und so kann sie bis zur Prüfung nicht mehr nach Green Gables kommen. Deswegen hat sie natürlich großes Heinweh. Aber Ruby, Jane und den anderen geht es genauso, auch sie können erst mal nicht mehr nach Hause kommen - für die nächsten 5 Monate!

In dieser Zeit setzt Anne alles daran, ihren Rivale Gilbert auszustechen und das Averey-Stipendium zu ergattern.

Matthew hat mal wieder einen Herzanfall

*

Matthew hat mal wieder einen Herzanfall, einen ziemlich schweren diesmal. Und diesmal erfährt Anne davon, und zwar durch eine zufällige Bemerkung von Tante Josephine, die sich bei einem von Annes Besuchen erkundigt, ob es Matthew wieder besser gehe. Anne läßt alles stehen und liegen, setzt sich in den Zug und fährt nach Green Gables.

Die letzten Kilometer muß sie bei dichten Schneetreiben zu Fuß gehen, aber sie läßt sich von nichts aufhalten.

Marilla traut ihren Augen kam, als Anne plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes hereingeschneit kommt.

Tja, und dann bleibt ihr und Matthew nichts anderes übrig, als Farbe zu bekennen. Immerhin ist Matthew nicht unmittelbar vom Tod bedroht, es geht ihm sogar schon wieder ganz gut, und so ist Anne halbwegs beruhigt.

Und die Cuthberts sind sehr froh, daß sie ihre Anne mal wieder zu sehen bekommen.

*

Die Zeit geht vorbei und es wird Frühling. Anne schreibt Diana zu ihrem Geburtstag und schickt ihr eine Brosche, über die Diana sich sehr freut. Ansonsten sind die Mädchen rund um die Uhr mit Lernen für die Abschlußprüfung beschäftigt.

Aber auch das geht herum. Die Schüler schreiben ihre Prüfung, und dann müssen sie alle auf die Ergebnisse warten.

Teil 45 - Gilbert und die Goldmedaille

Warten, warten warten ... Warten zuende. Der Tag, an dem Prüfungsergebnisse bekanntgegeben werden, ist da. Anne ist so nervös, daß sie sich nicht mal traut, sich die Listen anzusehen, sondern Jane vorschickt. Allerdings erfährt sie eine Sache schon bevor Jane irgend etwas sagen kann, daß nämlich Gilbert die Goldmedaille für herausragende Leistungen gewonnen hat.

die Abschlußzeremonie

Anne läuft entnervt durch den Gang davon, doch da rufen die anderen ihn Glückwünsche nach. Denn sie hat das Averey-Stipendium gewonnen! Und schlagartig ist Annes Welt wieder in Ordnung. Und das gleiche gilt auch für die anderen ehemaligen Schüler von Frau Stacey: sie haben alle bestanden, Josie Pye allerdings nur knapp. Avonlea kann auf seine Söhne und Töchter sehr stolz sein.

Jetzt kommen erst mal die langen Sommerferien. Ganz unbeschwert werden sie allerdings nicht. Die Leute sagen, daß die Abbey-Bank, auf der Matthew und Marilla die ganzen Ersparnisse ihres Lebens liegen haben, in Schwierigkeiten ist. Doch das betrifft Anne erst mal nicht, und Matthew, den es eher betreffen sollte meint, das seien doch nur Gerüchte, und ihr Geld sei sicher.

Kurz darauf trudelt ein Brief ein, in dem Anne Matthew und Marilla ihren großen Erfolg mitteilt. Die beiden platzen fast vor Stolz auf ihr Mädchen. Matthew will noch am Abend zu Diana gehen und es auch ihr sagen, doch Marilla meint, es sei besser, Diana ein Lichtsignal zu schicken, damit sie zu ihnen kommt. (Anne und Diana haben schon vor Jahren einen Code ausgedacht, denn wenn auch ihren Häuser ein ganzes Stück auseinander liegen, so kann doch jede das Zimmer der anderen sehen. Und per Kerze können sie sich Nachrichten schicken.)

Die Sache klappt, Diana kommt. Sie meint zwar, Anne sei schon da, was (noch) nicht der Fall ist, aber über diese hervorragenden Neuigkeiten freut sie sich natürlich auch.

*

Bevor Anne und die anderen in die Sommerferien und damit nach Hause entlassen werden, müssen sie noch die feierliche Abschlußzeremonie absolvieren und ihre Diplome entgegennehmen. An dieser Feier sind natürlich alle Eltern anwesend, Tante Josephine, Marilla und Matthew auch.

Es ist eine sehr ergreifende Feier, und am Ende sind alle einfach nur glücklich und erleichtert.

Und dann fahren Matthew, Anne und Marilla in der Kutsche zurück nach Green Gables, nach Hause. Diana erwartet sie schon, sie freut sich riesig, ihre liebste Busenfreundin nach den langen Monaten der Trennung endlich wiederzusehen. Anne berichtet Diana, daß Ruby und Jane Lehrerinnen werden wollen. Jane hat sogar schon ein Angebot. Und sogar Gilbert wird in der Gegend Lehrer werden: man hat ihm die Avonlea-Schule angeboten. Anne ist überrascht, als Diana ihr das sagt, denn sie dachte, er würde, wie sie, nach Redmond gehen. Doch das kann er sich nicht leisten. Seine Familie ist arm, und ohne Stipendium geht es leider nicht. Das macht Anne ziemlich betroffen, sie wird ihren Lieblingsfeind sehr vermissen.

*

Drei Monate hat Anne jetzt Ferien, dann aber wird sie für vier Jahre die berühmte Redmond-Universität besuchen. Dann wird es auf Green Gables wieder recht einsam werden.

Teil 46 - Zweifel und Sorgen

Anne freut sich auf drei herrliche Ferienmonate. Wenn sie wüßte, was in dieser Zeit alles über sie hereinbrechen wird, wäre sich nicht so optimistisch.

*

Matthew hat einen neuen Knecht eingestellt. Martin heißt er, und im Gegensatz zu Jerry hat er seinen Kopf nicht nur auf den Schultern, damit es nicht in den Hals reinregnet. Er hat sogar gute Manieren, worüber Marilla sich sehr freut. Fleißig und zuverlässig ist er auch noch, und so sind sie und Matthew mit ihm sehr zufrieden.

Matthew beim Bank-Direktor

Nachdem Matthew nach draußen zur Arbeit gegangen ist, fragt Anne Marilla besorgt, ob er in letzter Zeit wieder einen Anfall gehabt habe, weil er nicht so gut aussieht. Hat er nicht, aber er wird einfach alt, genau wie Marilla. Er müßte sich viel mehr zurückhalten, aber das tut er nicht. Er ist die Farm-Arbeit gewohnt, sie ist sein Leben. Er kann sich nicht einfach von heute auf morgen auf die Bank setzen und Däumchen drehen.

Aber nicht nur Matthew gibt Anne Anlaß zur Sorge. Marilla sieht auch nicht so gut aus. Ihre Augen machen ihr immer größere Probleme. Zum Glück kommt in ein paar Wochen ein bekannter Augenarzt nach Charlottetown, und Marilla nimmt sich fest vor, ihn aufzusuchen.

Anne verspricht Marilla, ihr die nächsten drei Monate gut zu helfen. Nur einen Tag zwackt sie für sich ab und besucht all die Orte und Plätze, die mit besonderen Erinnerungen verbunden sind.

Kurz darauf kommt Frau Lynde hereingeplatzt. Sie ist der Meinung, daß die Abbey-Bank so gut wie bankrott sei und ist gekommen, um Marilla und Matthew zu warnen. Auch Anne hat Tante Josephine so etwas erzählen hören, kann sich aber nicht erinnern, was sie gesagt hat. (Das ist leider typisch: sich tausende lateinischer Vokabeln und so zu merken ist kein Problem, aber wenn es um die finanzielle Existenz geht, schalten die Leute einfach auf Durchzug.) Marilla ist jedenfalls äußerst beunruhigt und bringt Matthew dazu, sich in die Kutsche zu setzen. Am liebsten wäre es ihr, wenn er gleich ihr ganzes Geld abheben würde, doch statt dessen wird er von Direktor Abbey persönlich empfangen.

Der alte Herr Abbey war ein Freund von Matthews Vater. Jetzt leitet sein Neffe die Bank, aber Matthew vertraut auch ihm und glaubt alles, was er ihm erzählt. Herr Abbey macht auch einen zu vertrauenswürdigen Eindruck und ist zu Matthew scheiß-freundlich. Und so fährt Matthew beruhigt wieder nach Hause und glaubt felsenfest an das, was er sowieso die ganze Zeit schon geglaubt hat, daß nämlich sein Geld auf der Bank gut aufgehoben ist.

*

Anne besucht an diesem Tag all die Plätze, an denen für sie schöne Erinnerungen hängen. Sie ist allein, nicht mal Diana hat sie dazu mitgenommen.

Sie besucht auch ihre alte Schule und schaut dann bei Frau Allan vorbei. Marillas und Matthews Zustand macht ihr Sorgen. Was soll aus den beiden werden, wenn sie jetzt vier Jahre weg ist? Darüber spricht sie mit Frau Allen, doch die rät ihr, diese einmalige Chance zu ergreifen und sich ihren Traum zu erfüllen. Denn sie hat schließlich auch sich selbst gegenüber eine Verpflichtung. Mal ganz davon abgesehen, daß es auch Marillas und Matthews Wunsch ist, daß sie die Universität besucht, auch wenn das für sie wieder mehr Einsamkeit bedeutet. Doch die beiden sind so stolz auf ihr Mädchen, daß es für sie nicht infrage kommt, daß sei vielleicht nicht auf die Uni gehen könnte. Und das sagt Matthew Anne auch ganz klar.

Teil 47 - Ein großer Verlust

Anne hilft im Haus und auf dem Hof und genießt ihre Ferien. Es ist ein wunderschöner Tag - Matthews letzter.

Martin fährt mit der Kutsche nach Avonlea, und Matthew bittet ihn, die Zeitung mitzubringen.

Nach dem Mittagessen macht Matthew sich daran, die Werkzeuge zu säubern, während Anne die Wäsche wäscht und dann das Haus putzt.

Plötzlich kommt Matthew ins Haus getaumelt und bricht auf dem Boden zusammen. Martin legt ihn auf die Bank, und Marilla versucht, ihn ins Bewußtsein zurückzuholen. Doch diesmal sieht es ernst aus.

Martin fährt sofort zu Doktor Spencer und sagt unterwegs auch Rachel Lynde Bescheid.

die Trauergemeinde an Matthews Sarg

Als Frau Lynde ankommt, ist Marilla immer noch verzweifelt dabei, Matthew wiederzubeleben. Doch diesmal nützt es nichts. Er ist tot. Frau Lynde hat so einen Gesichtsausdruck schon oft in ihrem Leben gesehen, sie weiß es.

Auch Dr. Spencer, der kurz darauf eintrifft, kann das nur bestätigen.

Rachel findet die Zeitung auf dem Boden liegen. Die Schlagzeile der Titelseite sagt, daß die Abbey-Bank Pleite gemacht hat. Matthew ist an dem Schock darüber gestorben. Und nebenbei sind nun sämtliche Ersparnisse weg. Marilla besitzt praktisch nichts mehr. Doch daran will sie in so einem Moment als letztes denken. Es gibt so unendlich viel zu tun.

Marilla steht unter Schock (von Anne ganz zu schweigen), und ohne Rachel Lyndes Hilfe wäre sie jetzt zu gar nichts mehr fähig. Frau Lynde hilft ihr aber nach allen Kräften. Erst mal muß allen Nachbarn Bescheid gesagt werden, ebenso dem Pfarrer. Dann muß ein Sarg her. Anne muß es Übernehmen, an die Verwandten Telegramme zu schicken. (Daß Matthew und Marilla noch Verwandte hatten bzw. haben, wird hier das erste und einzige Mal erwähnt.)

Und so trudeln in den nächsten Stunden Dutzende von Leuten ein, um Marilla zu kondolieren und von Matthew Abschied zu nehmen. Er hat ein sehr zurückgezogenes Leben geführt, aber jetzt sieht man, daß er sehr beliebt war. Er hat nie viel geredet, aber wenn, dann immer etwas freundliches. Es ist für alle ein sehr schwerer Verlust, ihr Beileid ist aufrichtig und tief empfunden.

*

Anne hat den ganzen Tag keine einzige Träne geweint. Am Abend geht sie auf ihr Zimmer. Diana kommt zu ihr, um sie zu trösten, aber Anne will lieber allein sein, was Diana gar nicht versteht. Sie weiß noch nicht, daß sich Trauer auf viele Arten zeigen kann. So geht sie also nach Hause, und Anne sitzt auf der Fensterbank. Sie denkt an Matthew, sieht in davongehen, und dann bricht es aus ihr heraus. Ihr Schluchzen ist durch das ganze Haus zu hören, und Marilla kommt zu ihr hoch und nimmt sie in ihre Arme. So können sie sich gegenseitig ein wenig trösten.

Marilla, die sonst ziemlich zurückhaltend ist, sagt zu Anne, daß sie für sie das liebste auf der Welt sei. Und dann reden sie ein bißchen von früher.

Teil 48 - Abschied von Matthew

Zwei Tage sind vergangen. Matthew liegt immer noch im offenen Sarg im Wohnzimmer. Aber in wenigen Stunden wird er beerdigt.

Diana kommt Anne besuchen. Und dann erscheint auch der Rest der Nachbarschaft, um Matthew das letzte Geleit zu geben. Dabei fließt so manche Träne.

Matthews Sarg kommt auf dem Friedhof hinter der Kirche in das Grab seiner Eltern, die einst von Schottland hierher gekommen waren.

Anne besucht Frau Allan

Auf dem Heimweg meint Josie zu Anne, es sei ein großes Pech, daß sie jetzt ein ganzes Jahr Trauer tragen müsse, weil ihre knallroten Haare auf schwarzer Kleidung noch knallroter seien. Anne kommentiert das nicht.

*

Das Leben geht weiter. Aber ohne Matthew ist das nicht so einfach. Er ist ja nicht nur ein freundlicher älterer Herr gewesen, er hat auf dem Bauernhof ja auch von Morgens bis Abends gearbeitet. Er fehlt Marilla und Anne also gleich in mehrfacher Hinsicht.

Als Anne zum Grab geht, begleitet Diana sie, um ihr danach ihre neue Nähmaschine zu zeigen. Anne pflanzt auf Matthews Grab einen kleinen Rosenzweig, der noch aus Schottland stammt, und hofft, daß er angeht.

Auf dem Weg zur Barry-Farm versucht Diana Anne ein bißchen aufzumuntern, doch Anne ist nicht in der Stimmung für sowas und läuft davon. Eigentlich hat sie ein schlechtes Gewissen, denn sie meint, sie sei es Matthew schuldig zu trauen, und da sei Fröhlichsein verboten. Sie sucht Frau Allan auf und spricht mit ihr darüber, und die ermahnt sie, es wäre bestimmt nicht Matthews Wunsch, daß sie nie mehr in ihrem Leben lacht. Er wollte immer ein fröhliche Anne, die oft lacht.

Und so findet Anne so langsam wieder zu ihrem Gleichgewicht zurück. Immerhin ist ja auch noch Marilla da, und die braucht sie auch.

*

Am nächsten Tag wird in Charlottetown der berühmte Augenarzt erwartet, und Anne verspricht nichts anzustellen, wenn Marilla den ganzen Tag nicht zuhause sein wird.

Beim Abendessen reden sie über dies und das. Moody, Josie und Charlie wollen noch ein Jahr weiter studieren, während Ruby und Jane Stellen als Lehrerinnen in der Gegend bekommen haben. Die Sprache kommt dann auf Gilbert, und zu Annes größter Überraschung erzählt Marilla ihr, daß sie als junges Mädchen mal in seinen Vater John Blythe verknallt war. Sie haben sich dann aber zerstritten, so ähnlich wie Anne und Gilbert, und als Marilla ihm endlich verziehen hatte, war es längst zu spät. Und so wurde sie ein alte Jungfer.

Inzwischen hat jeder diese alte Geschichte vergessen, doch Marilla wurde wieder daran erinnert, als sie kürzlich Gilbert sah.

Teil 49 - Pläne für die Zukunft

Martin fährt Marilla in die Stadt zum Augenarzt. Als sie ankommen, ist sie über die lange Schlange der wartenden Leidenden erstaunt. Immerhin gibt die voraussichtliche Wartezeit Martin die Gelegenheit zu einem Stadtbummel.

Anne denkt über ihre Zukunft nach

Derweil kümmert Anne sich um Haus und Hof und backt auch Brot. Diana kommt sie besuchen, und Anne entschuldigt sich, daß sie sie gestern so vor den Kopf gestoßen hat.

Nachdem sie die Wäsche reingeholt und gebügelt haben, gehen sie zum Barry-Haus, wo Diana voller Stolz der staunenden Anne ihre neue Nähmaschine vorführt.

Als Anne fertig ist, läuft sie zufällig Herrn Barry über den Weg. Der hat einen interessanten Vorschlag: er hat sich neue landwirtschaftliche Maschinen gekauft, und die kann er rationeller nutzen, wenn er eine größere Fläche zur Verfügung hat. Also bittet er Anne, mit Marilla mal darüber zu reden, ob er nicht die Felder der Green Gables-Farm pachten könnte. Auch im Hinblick auf die Folgen des Bankrotts der Abbey-Bank könnte das eine gute Lösung für alle sein. Anne sagt erst mal nicht. Aber sie vergißt es auch nicht ...

*

Martin holt Marilla wieder ab, aber auf seine Frage, was der Arzt denn nun gesagt habe, seufzt sie nur und sagt während der ganzen Fahrt kein Wort.

Sie fährt aber nicht gleich nach Hause, sondern läßt sich bei Rachel Lynde absetzen. Die hat eine Idee ausgebrütet: wäre es nicht das beste, Green Gables zu verkaufen und sich mit dem Geld dann zur Ruhe zu setzen? Ohne Matthew kann sie den Hof nicht weiterführen, und nach den Ferien ist Anne auch wieder weg. Also bleibt ihr womöglich gar nichts anderes übrig ...

Verständlicherweise ist Marilla ziemlich bedrückt, als sie nach Hause kommt. Sie erzählt Anne dann, was der Arzt gesagt hat. Vorher muß Anne ihr aber hoch und heilig versprechen, es niemanden weiterzusagen. Also: wenn sie auf alles, was die Augen anstrengt (Lesen, Stricken, Nähen) verzichtet, dann werden sich ihre Augen wahrscheinlich nicht verschlimmern und die Kopfschmerzen aufhören. Andernfalls wird sie in spätestens einem halben Jahr blind sein.

Anne ist sehr betroffen, und Marilla will verständlicherweise unter keinen Umständen, daß das ganze Dorf das erfährt und dann alle kommen und sie mit ihrem Mitleid überschütten und über sie reden. Das bleibt also unter den beiden, und daran haben sie auch mehr als genug zu knabbern.

*

Unser Leben wird zu 10% bestimmt durch das, was uns widerfährt, und zu 90% durch das, was wir daraus machen. Der folgende Teil dieses Animes ist ein gutes Beispiel dafür.

Annes Leben hat sich in ein paar Tagen vollkommen gewandelt. Alles, was sie sich erträumt hatte, ist zusammengebrochen. In der Nacht geht sie hinaus, um unter dem Licht der Sterne und dem Plätschern des Baches nachzudenken. Und dann weiß sie auf einmal, was sie jetzt tun muß.

Anne entwickelt eine beachtliche Aktivität, fast sowas wie ein Abschied von ihrem alten Leben, derweil Marilla den Makler John Saddler kommen läßt, um den Verkauf von Green Gables in die Wege zu leiten. Allein der Gedanke, ihr geliebtes Heim zu verlieren (und damit auch Annes Zuhause), bedrückt sie zutiefst. Aber sie sieht keinen anderen Ausweg.

Den gibt es aber. Der Plan wurde geändert. Anne wird nicht nach Queens gehen, sondern bei Marilla bleiben. Die Avonlea-Schule ist zwar schon an Gilbert vergeben, also wird sie eine Schule etwas weiter weg bekommen, aber das macht ihr nichts, sie bleibt auf jeden Fall zuhause. Und was das Bewirtschaften des Hofes angeht: gewiß ist das ohne Matthew unmöglich, aber statt dessen werden die Ländereien an Herrn Barry verpachtet. So bekommen sie sogar noch Geld, und anscheinend gar nicht mal so wenig. Anne muß nicht mal ihre Studien abschreiben. Sie macht einfach statt dessen ein Fernstudium.

Annes schnurgerader Weg in die Zukunft hat, wie sie es ausdrückt, nun eine Kurve bekommen, aber sie ist jetzt neugierig, was hinter dieser Kurve liegt.

Teil 50 - Abschied von Anne

Niemand versteht so recht, wie Anne auf die Wahnsinnidee kommen konnte, das Averey-Stipendium und die Redmond-Universität auszuschlagen und statt dessen in Avonlea zu bleiben. Leider kann Anne die Karten nicht auf den Tisch legen, weil sie Marilla ja ihr Wort gegeben hat, aber ihre feste Entschlossenheit läßt das Gerede der Leute nach und nach wieder verstummen.

*

Abends sitzen Marilla und Anne jetzt meist vor dem Haus (oder eigentlich hinter dem Haus) und genießen den Sonnenuntergang. Einmal kommt Rachel Lynde sie besuchen. Sie ist die einzige, die froh darüber ist, daß Anne ihre Pläne geändert hat. Denn sie hält generell nichts davon, daß Frauen studieren. Anne allerdings hat nicht vor, mit dem Lernen aufzuhören. Sie meint zu Frau Lynde, die Winterabende seien so lang, da könnte man sowieso nichts anderes machen als lesen und studieren.

Anne errötet vor Gilbert

Frau Lynde hat für Anne aber noch eine Überraschung: sie wird doch die Avonlea-Schule bekommen. Denn, man glaubt es kaum, Gilbert hat ihr zuliebe verzichtet und geht nach White Sands. Und das, obwohl er da zur Miete wohnen muß. Frau Lynde macht Anne klar, daß sie das für eine sehr noble Geste hält. (Gilbert Blythe ist sowieso überall sehr beliebt, weil er nicht nur gescheit, sondern auch gut erzogen, freundlich und sehr hilfbereit ist.) Anne ist ziemlich sprachlos. Frau Lynde hat aber noch mehr gute Nachrichten: Josie Pye, Annes Quälgeist, war bis auf weiteres der letzte Sprößling dieser unangenehmen Familie. Zum ersten Mal seit 20 Jahren wird es eine Schulklasse ohne einen Pye geben, und somit hat Anne beste Aussichten, sich in ihrer neuen Stelle besonders wohlzufühlen.

*

Tante Josephine ist mal wieder im Lande, und es gefällt ihr gar nicht, daß Anne ihr so hart erarbeitete Stipendium abgelehnt hat. Sie hält sie für verrückt und haut Anne einiges um die Ohren. Aber selbst sie muß sich überzeugen lassen, daß Anne genau weiß, was sie tut.

*

Anne hat etwas wichtiges, etwas sehr wichtiges, zu erledigen. Sie marschiert zu Gilbert, bedankt sich bei ihm ganz herzlich für seine Großzügigkeit und bittet ihn darum, Frieden zu schließen.

Gilbert, der Anne anscheinend immer gemocht hat, fällt mehr als nur ein Stein vom Herzen, und Anne errötet (was einfach entzückend aussieht).

Und so werden aus guten Feinden nun gute Freunde.

Die beiden verstehen sich wunderbar. Gilbert bringt Anne nach Hause, und am Zaun bleiben sie noch fast eine halbe Stunde lang stehen und reden miteinander. Anne schwebt fast schon im siebten Himmel. Aber auch Marilla findet diese Entwicklung äußerst erfreulich.

Annes Kommilitonin Stella hat ihr einen Brief geschrieben, und als Anne diesen am Abend beantwortet, zieht sie gleichzeitig eine Bilanz ihres Weges und ihrer Zukunft. Es hat viele Schwierigkeiten gegeben, doch sie ist voller Zuversicht und innerem Glück.


Erstellt am 24.6.2006. Letzte Änderung: 18.2.2014