"Wer lügt, der stiehlt", pflegte man früher zu sagen. Bei Arrietty ist es umgekehrt: sie und ihre im doppelten Wortsinne kleine Familie ernähren sich durch Diebstähle, nennen sich selber aber nicht Räuber, sondern Borger. Besonders schlimm ist das aber nicht, denn Arrietty ist gerade mal 10 cm groß und braucht daher nicht viel zum Leben. Überhaupt legen die Borger - die wenigen, die es auf der Welt noch gibt - größten Wert darauf, ihre Anwesenheit vor den Menschen, in deren Häusern sie leben, zu verbergen. Denn falls doch mal ein Mensch ihrer ansichtig werden sollte, so müssen sie das jeweilige Haus verlassen. So will es das Gesetz der Borger. Und genauso ergeht es Arrietty, ihrem Vater und ihrer Mutter.
Die Geschichte, die auf einen Roman von Mary Norton namens "The Borrowers" zurückgeht, spielt im tokyoter Stadtteil Koganei in unserer Gegenwart. Das, was wir im Anime von Koganei zu sehen bekommen, macht einen eher ländlichen Eindruck, und eines schönen Tages kommt der Junge Sho in das von einem äußerst großzügigen Garten umgebene Haus seiner Tante Sadako, um sich dort zu erholen. Denn er ist herzkrank und hat eine schwere Operation vor sich. Doch das erste, was er dort im Garten sieht, ist ein winziges Mädchen - Arrietty, die sich unvorsichtigerweise von ihm hat erwischen lassen. Sie redet sich ein, es wäre nichts passiert, doch leider halten Wünsche der Realität in der Welt der Borger ebenso wenig stand wie in der der Menschen. Dabei ist Sho die Freundlichkeit in Person, im Gegensatz zu Haru, der Haushälterin, die die Borger für kleine Diebe hält, die es zu fangen gilt. Im Laufe der Handlung gelingt es Sho und Arrietty, Haru auszutricksen, doch am unabwendbaren Schicksal der drei Borger ändert das nichts mehr: sie müssen fortgehen.
Erschienen ist "Arrietty" in allen möglichen japanischen und westlichen Fassungen auf DVD und Blu-ray. Wobei die japanische Blu-ray-Fassung bei den englischen Untertiteln einen netten Fehler hat: statt von "human beings" ist dort immer von "human beans" die Rede. (Soviel zu den Englisch-Kenntnissen der Japaner, denn das ist schließlich durch alle Qualitätskontrollen geschlüpft.)
Ghibli-Animes werden immer mit großen Erwartungen aufgenommen, aber ob "Arrietty" diese hohen Maßstäbe erfüllt, hängt vom Betrachter ab. In Japan ist es jedenfalls auf sehr positive Resonanz gestoßen. (Ich habe "Arrietty" übrigens zum 1. Mal in Kyoto im Kino gesehen, was ein besonders schönes Reise-Erlebnis war.)
Meine persönliche Meinung dazu: wenn man als Soundtrack nicht das langweilige Geklimper von Cécile Corbel genommen hätte, sondern zum Beispiel einen von Joe Hisaishi, hätte das Anime massiv profitiert. Dabei kann man nicht mal sagen, daß Cécile Corbels Musik schlecht ist. Man kann auch nicht sagen, daß sie nicht zur Geschichte paßt. Aber man hätte mit einem anderen Soundtrack ein anderes und, wie ich meine, erheblich besseres Anime herausbekommen können. Nun ja, aber das ist wohl Geschmacksache.
Action gibt es jedenfalls kaum, durch die Musik wird alles irgendwie nivelliert, und ein richtiges Happy End hat die Geschichte auch nicht. Dafür ist das Ende aber offen genug für einen 2. Teil ;-)
Übrigens gibt es auf der deutschen DVD eine nette Besonderheit: Cécile Corbel singt hier das Abspannlied auf Deutsch! So etwas habe ich noch nie gesehen (bzw. gehört in dem Fall).
| Arrietty - ein knapp 14-jähriges Borger-Mädchen, dessen Neugier und Unbekümmertheit sie und ihre Familie in große Schwierigkeiten bringt. Dabei lernt sie die Menschen sowohl von ihrer guten als auch von ihrer schlechten Seite kennen | ![]() |
Shida Mirai | Soraya Richter |
| Homily - sie sieht aus wie Arriettys Oma, ist aber ihre Mutter. Sie ist ziemlich ängstlich und hat einen gewissen Hang zum Pessimismus. Allerdings hat sie dazu auch allen Grund | ![]() |
Ootake Shinobu | Heide Bartholomäus |
| Pod - Arriettys Vater schaut immer ein bißchen finster. Er ist ein ruhiger, fast langweiliger Mann, aber im Falle einer Krise kann man sich voll und ganz auf ihn verlassen | ![]() |
Miura Tomokazu | Bernd Vollbrecht |
| Sho - er ist herzkrank und steht kurz vor einer großen Operation. Trotzdem ist seine Mutter beruflich ins Ausland gereist und hat ihn bei seiner Tante Sadako abgeliefert | ![]() |
Kamiki Ryunosuke | Maximilian Artajo |
| Sadako - Shos Tante. Anders als seine Mutter kümmert sie sich sehr hingebungsvoll um Sho, der schließlich sehr krank ist | ![]() |
Takeshita Keiko | ? |
| Haru - Sadakos Haushälterin ist auf Borger nicht gut zu sprechen. Sie hält sie nämlich für Diebe und nicht für Sympathieträger | ![]() |
Kiki Kirin | ? |
| Spiller - ein weiterer Borger. Pod begegnet ihm gerade im richtigen Augenblick, als er sich auf der Suche nach einem neuen Zuhause verletzt und nicht mehr laufen kann | ![]() |
Fujiwara Tatsuya | Julius Jellinek |
| Mia - Sadakos Katze. Am Anfang betrachtet sie Arrietty als so eine Art Maus, die man fangen kann, doch Sho schafft es recht schnell ihr beizubringen, sich den Borgern gegenüber ordentlich zu benehmen | ![]() |
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| Daten: | Regie: Yonebayashi Hiromasa | Design: Studio Ghibli | Erscheinungsjahr: 2010 |
| Bewertung Animation: | |||
| Framerate: sehr gut | Animationsqualität insgesamt: außerordentlich hoch | Zeichenqualität: sehr gut. Beachtlich sind vor allem die extrem detaillierten Hintergründe | Character-Design: Ghibli-typisch (Ghibli-Charaktere erkennt man eigentlich immer auf den 1. Blick) |
| deutsche DVD: | Sprachen: Japanisch, Deutsch | Untertitel: Deutsch | Extras: ein paar Vorschauen |
| besonders positiv aufgefallen: | besonders negativ aufgefallen: | ||
| Bewertung sonstiges: | Handlung: melancholisch | Besonderheit: große Reise in einer Teekanne | Musik: der Soundtrack von Cécile Corbel hat gewissen Kultstatus erlangt |
| Japanische Synchronstimmen: sehr gut | Deutsche Synchronisation: sehr gut | Untertitel: gut | Gesamt-Beurteilung: auf seine Weise ziemlich faszinierend, aber ich meine trotzdem, man hätte mehr daraus machen können |
Erstellt am 14.1.2012. Letzte Änderung: 21.1.2011