Death Parade

Death Parade

Nach dem Tod stürzt die Seele eines Menschen entweder ins ewige Nichts (Kyomu), oder sie wird der Reinkarnation (Tensei) zugeführt, also in westlicher Terminologie: sie kommt entweder in die Hölle oder in den Himmel. Bei den meisten Menschen steht es zu ihrem Todeszeitpunkt fest, welches Schicksal ihre Seele erleiden wird, aber es gibt immer wieder auch Grenzfälle, die einer genaueren Untersuchung bedürfen (obwohl man sich bei einigen der Kandidaten in diesem Anime fragt, wieso sie Grenzfälle sein sollen). Dafür gibt es eine eigene Institution, eine Zwischenwelt in Form eines unterirdischen Komplexes mit diversen Bars, in denen sich die Betroffenen wiederfinden, allerdings ohne Erinnerung daran, daß sie tot sind. Sie erscheinen dort meistens paarweise und müssen dann in seltsamen Spielen gegeneinander antreten, um in arrangierten Extremsituationen die dunklen Seiten ihrer Seele zu offenbaren. Anhand dieser werden sie dann von den sogenannten Entscheidern (Saiteisha) beurteilt und zum Schluß entweder in den Himmel oder in die Hölle geschickt.

Anfangs dachte ich, dieses Anime sei so eine Art Jigoku Shoujo-Klon, doch eigentlich ist es ganz anders, denn es geht gar nicht so sehr um die zu bewertenden Seelen, sondern genauso auch um die Entscheider und die anderen seltsamen Charaktere in dieser Zwischenwelt. Es sind keine Menschen, auch wenn sie so aussehen. Sie können nicht sterben, aber richtig leben tun sie auch nicht. Angeblich sollen sie keine Gefühle haben, aber wie sollen sie dann Menschen gerecht beurteilen können? Es passiert so einiges an unerwarteten Wendungen, die man in so einer Umgebung nicht unbedingt erwarten würde.

*

Mir ist nicht so ganz klar geworden, ob sich dieses Anime auf eine real existierende Religion bezieht. Im Buddhismus gibt es auch die Vorstellung von Wiedergeburt und dem Eingehen ins Nichts (Nirwana), aber die Bewertung ist genau umgekehrt: die nahezu unendliche Kette der Wiedergeburten wird als endlose Qual gesehen, das Nirwana hingegen als die abschließende Erlösung. Bei "Death Parade" wird statt dessen oft auch von Himmel und Hölle gesprochen, und das stammt bekanntlich aus dem Christentum.

Außerdem landet nach den Regeln von "Death Parade" sowieso früher oder später jeder im Nichts bzw. in der Hölle. Denn wenn eine Seele reinkarniert wird, kommt sie nach dem Tod erneut zur Bewertung. Und wenn sich das oft genug wiederholt, ist es einfach nur eine Frage der Statistik, bis der stabile Zustand, nämlich das Nichts, erreicht wird.

Fazit

Ein kleines, aber feines Anime, das eine seltsame Faszination erzeugt. Ich würde sagen: auf jeden Fall sehenswert.


Zusammenfassung der Handlung Teil 1 - 12


Decim - er arbeitet in der Bar Quindecim als Entscheider, doch anders als seine Kollegen respektiert er die Menschen, die zu ihm geschickt werden. Außerdem hat er menschliche Gefühle. Die anderen halten ihn deswegen für seltsam. Quindecim liegt im 15. Stock, daher der Namen ("15" heißt auf Lateinisch "Quindecim") Decim Maeno Tomoaki
Nona - sie ist seit 82 Jahren die Managerin der Zwischenwelt und damit Decims Chefin. Sie hat ihn auch in seine Position eingesetzt und ihn sogar mit menschlichen Emotionen ausgestattet, was in der Zwischenwelt zumindest nicht gerne gesehen wird Nona Ookubo Rumi
Oculus - er ist sowas wie der oberste Chef der Zwischenwelt, allerdings keine Gott. Er spielt leidenschaftlich gerne Planetenbillard mit Nona und fragt sich, was sie mit einem Entscheider wie Decim wohl bezwecken könnte. "Oculus" heißt übrigens "Auge" Oculus Genda Tesshou
Clavis - er bedient den Aufzug, mit dem man zwischen den 90 Etagen des Zwischenwelt-Turmes herumfahren kann. Sein Namen bedeutet auf Lateinisch "Schlüssel" Clavis Uchiyama Kouki
Chiyuki - aus irgend einem Grund konnte Decim sie nicht beurteilen, deshalb arbeitet sie eine Zeitlang als seine Assistentin, allerdings ohne sich daran zu erinnern, daß sie ein kürzlich gestorbener Mensch ist. Nichts desto trotz beeindruckt ihre emotionale Art Decim sehr Chiyuki Seto Asami
Ginti - Decims Kollege. Angeblich sollen Entscheider keine Emotionen haben, aber Ginti erscheint geradezu wie die Personifizierung eines emotionalen Menschen, wobei er allerdings eher negative Emotionen zeigt. Seine Bar ist im 20. Stock, daher sein Name ("20" heißt auf Lateinisch "Viginti") Ginti Hosoya Yoshimasa
Castra - sie ist zuständig für das Sortieren und die Aufarbeitung der Gedächtnisinhalte der Menschen, die zu den Entscheidern geschickt werden. Sie und ihre Kollegen haben 7000 Fälle pro Stunde zu bearbeiten, was sie als deutlich zuviel beklagt. Ihr Name heißt auf Lateinisch "Kriegslager" Castra Yuzuki Ryouka
Quin - Decims Vorgängerin auf Quindecim arbeitet jetzt im Informationsbüro. Ab und zu liefert sie Nona gewissen Informationen und bekommt dafür Schnaps Quin Shiraishi Ryouko
Machiko - sie und ihr Mann Takashi sind die Probanden in Folge 1 und 2 Machiko Kawasumi Ayako
Takashi - er ist Arzt und frisch mit Machiko verheiratet. Seine schwache Stelle ist seine Eifersucht, mit der man ihn sehr leicht zur Raserei treiben kann. Ob er Recht hatte, seine Frau der Untreue zu verdächtigen, erfahren wir allerdings nicht endgültig, obwohl es eine Zeitlang so aussieht und sie es sogar gesteht. Doch Chiyuki glaubt ihr nicht so recht Takashi Nakai Kazuya
Miura Shigeru - er und Chisato werden in Folge 3 geprüft Miura Shigeru Majima Junji
Miyazaki Chisato - sie ist in Wirklichkeit gar nicht Miyazaki Chisato, sondern Shigerus Sandkastenfreundin Takada Mai, hat aber Aussehen und Identität Chisatos angekommen, um bei Shigeru landen zu können. Beide sind zusammen bei einem Busunfall ums Leben gekommen Miyazaki Chisato M.A.O
Tateishi Yousuke - er und Misaki absolvieren Folge 4. Sie sind beide eher unangenehme Menschen und hatten den passenden Tod: Yousuke war seines sinnlosen Lebens überdrüssig und beging Selbstmord, Misaki wurde von ihrer eigenen Managerin erdrosselt Tateishi Yousuke Morita Masakazu
Tachibana Misaki - sie ist ein Flittchen und Fernseh-Sternchen und hält Quindecim für eine heimlich gedrehte TV-Show Tachibana Misaki Yamaguchi Yuriko
Arita Mayu - sie und Harada spielen in Folge 6 die Hauptrolle. Mayu ist ein riesen Fan von Harada und bereit, alles für ihn zu tun und zu geben, selbst ihr Leben. Ihr Beurteiler Ginti findet das äußerst irritierend Arita Mayu Tanezaki Atsumi
Harada - er ist ein Idol und trägt zu seiner Gruppe CHA (Cross Heart Attack) das "H" bei. Er ist außerdem ein berüchtigter Schürzenjäger, der schon viele Herzen gebrochen und sogar ein Mädchen in den Selbstmord getrieben hat und von einem anderen in die Luft gesprengt wurde. Mayu weiß darüber mehr oder weniger Bescheid, aber das tut ihrer hingebungsvollen Begeisterung keinen Abbruch Harada Miyano Mamoru
Tatsumi - in Folge 8 und 9 sind er und Shimada die Kandidaten. Tatsumi ist Polizist und selbsternannter Kämpfer für Gerechtigkeit, nachdem seine Frau von einem Verbrecher ermordet wurde Tatsumi Fujiwara Keiji
Shimada - er ist 22 und hat bereits einen Mord auf dem Gewissen, weil er seine kleine Schwester Sae rächen wollte Shimada Sakurai Takahiro
Uemura Sachiko - sie tritt in Folge 10 gegen Chiyuki an, doch dabei geht es ungewöhnlich friedlich und harmonisch zu. Sachiko war Manga-Zeichnerin und ist anscheinend mit dem Stift in der Hand an Altersschwäche gestorben. Warum ihre Seele trotzdem zur Beurteilung geschickt wurde, wird nicht verraten Uemura Sachiko Tani Ikuko

Daten: Regie: Watanabe Shin'ichiro, Tachikawa Yuzuru Design: Tachikawa Yuzuru, Kurita Shin'ichi Erscheinungsjahr: 2015
Bewertung Animation:
Framerate: sehr gut Animationsqualität insgesamt: sehr gut Zeichenqualität: sehr gut Character-Design: entspricht dem aktuellen Stil
Bewertung sonstiges: Handlung: interessante Interaktion zwischen Menschen und den Wesen, die ihre Seelen beurteilen sollen Besonderheit: extrem wasserreiche Tränen Musik: cooles Titellied
Japanische Synchronstimmen: sehr gut Untertitel: gut Gesamt-Beurteilung: sehr gut

Erstellt am 24.2.2016. Letzte Änderung: 16.3.2016