Gedo Senki

Gedo Senki / Die Chroniken von Erdsee

Gedo Senki

Dieses Anime geht zurück auf ein Buch von Ursula K. Le Guin, weicht von dessen Handlung aber so stark ab, daß mehr oder weniger eine eigenständige Geschichte vorliegt. Eine, die zwar kommerziell recht erfolgreich war, aber auch viel Kritik geerntet hat. Zu Recht, wie ich meine, denn der Regisseur Miyazaki Goro, Miyazaki Hayaos Sohn, hat einige unerfreuliche Regie- Fehler gemacht, auf die ich in der Zusammenfassung separat hinweise und die bei einem Ghibli-Film sehr schmerzlich sind.

Inhalt der Geschichte ist die Angst vor dem Tod, die Angst vor dem Leben und das Gleichgewicht aller Dinge. In der Welt von "Gedo Senki" gibt es Zauberer und Magie, doch deren Macht schwindet, weil ein zunächst noch unbekannter Faktor das Gleichgewicht der Welt zu erodieren beginnt. Das äußert sich in Naturkatastrophen, Dürren, einer seltsamen Gereiztheit der Menschen und dem Erlöschen magischer Kräfte.

Eine schönen Tages bringt nun Prinz Arren seinen Vater um, stiehlt dessen magisches Schwert, mit dem er überhaupt nichts anfangen kann, und verschwindet. Er begegnet dann dem weisen Zauberer Haitaka, der auf der Suche nach dem Grund der Unordnung ist. Die beiden gelangen in eine große Hafenstadt, wo Arren ein Mädchen namens Teru davor bewahrt, als Sklavin gefangen zu werden. Da er aber unvorsichtig ist, wird statt dessen er selbst gefangen, wenig später aber von Haitaka wieder befreit. Der ist inzwischen der Wurzel des Übels näher gekommen, nämlich seinem Kollegen Kumo, der im wahrsten Sinne des Wortes Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hat, um für sich die Unsterblichkeit zu erlangen.

Haitaka und Arren verbringen einige Tage bei Tenar, einer alten Bekannten Haitakas, die auch Teru bei sich aufgenommen hat. Dort jedoch stöbern Kumos Männer sie auf und nehmen Teru als Köder für Haitaka gefangen. Kumo bringt zudem Arren unter seinen Einfluß. Wie beabsichtigt taucht Haitaka in seiner Burg auf, wird dank Arrens Hilfe überwältigt und soll am folgenden Tag hingerichtet werden.

Das verhindern jedoch Teru und Arren, der von Teru aus Kumos Bann befreit wird.

Soweit, so gut, aber leider ist diese Geschichte an allen Ecken und Enden nicht wirklich stimmig. Aber mehr dazu in der Zusammenfassung.

*

Gedo Senki ist schon länger in allen möglichen DVD-Fassungen erhältlich. Ich habe meine im November 2010 in einem kleinen Laden im Nakano Broadway (in Tokyo) für knapp 1000 Yen gekauft. Anscheinend war es eine ehemalige Verleih-DVD, die nun (zusammen mit einer Reihe weiterer) verkauft wurde. Gemessen am japanischen Normalpreis (knapp 5000 Yen) war das ein echtes Schnäppchen. Schließlich nutzen DVD sich, im Gegensatz zu Videos, beim Abspielen nicht ab.

*

Fazit

Es mag sein, daß dieses Anime umso besser wird, je öfter man es sieht, aber wenn das tatsächlich so ist, dann hat der Regisseur seine Arbeit nicht richtig gemacht. "James Bond"-Filme versteht man zwar auch erst nach dem dritten Mal ansehen, aber da deren Schwerpunkt auf reiner Action liegt, macht das nichts. Bei "Gedo Senki" hingegen weiß man eigentlich gar nicht so genau, was dieser Film eigentlich sagen will bzw. um was es in der Handlung eigentlich geht. Ein bißchen von diesem und ein bißchen von jenem, ein paar Drachen, ein paar Magier, ein Junge, der von seinem eigenen Dämon verfolgt wird, und das ganze ergibt dann einen mäßig unterhaltsamen Film, der dem Zuschauer am Ende nichts gesagt hat.

Das wäre immer noch nicht so schlimm. Verkorkste Filme gibt es wie Sand am Meer, aber bei Ghibli-Filmen liegt die Messlatte nun mal sehr hoch, und dieser wird "Gedo Senki" nicht gerecht.


Zusammenfassung der Handlung


Arren - Haitaka ist der Meinung, Arren spiele in dieser Geschichte eine entscheidende Rolle, aber man hat eher den Eindruck, daß der junge Prinz von Dämonen oder vielleicht auch nur den Kräften des Zufalls getrieben völlig ziellos durch die Handlung taumelt. Von einem Helden ist er jedenfalls meilenweit weg. Dafür ist er aber ein Mörder, ohne daß irgend jemand weiß, warum er das getan hat Arren j: Okada Jun'ichi
e: Matt Levin
d: Manuel Straube
Gedo / Haitaka - er ist der mächtigste aller Zauberer, und nahezu der einzige, dessen magische Fähigkeiten nicht erloschen sind. Er ist auf der Suche nach dem Grund für die Erschütterung der Balance der Welt und findet ihn in Kumo, einem Kollegen oder Rivalen, der auf der Jagd nach der Unsterblichkeit ist Gedo / Haitaka j: Sugawara Bunta
e: Timothy Dalton
d: Ekkehardt Belle
Tenar - eine alte Freundin Haitakas. Vor langer Zeit scheint er sie mal aus großer Gefahr gerettet zu haben. Jetzt führt sie einen abgelegenen Bauernhof und verkauft auch magische Medizin an die Leute der Umgebung Tenar j: Fubuki Jun
e: Mariska Hargitay
d: Kathrin Simon
Teru - das geheimnisvolle Mädchen mit der auffallenden Brandnarbe im Gesicht lebt seit einigen Jahren bei Tenar. Am Ende der Geschichte verwandelt sie sich ziemlich unmotiviert in einen Drachen und tötet Kumo Teru j: Teshima Aoi
e: Blaire Restaneo
d: Farina Brock
Kumo - er ist einer der mächtigsten Zauberer und hat sich das Ziel gesetzt unsterblich zu werden. Er hat er das fast schon geschafft, nur haben seine Maßnahmen höchst unerfreuliche Nebenwirkungen Kumo j: Tanaka Yuko
e: Willem Dafoe
d: Susanne von Medvey
Usagi - er ist Kumos Mann fürs Grobe, und das macht er gerne und mit viel Freude. Sein Name bedeutet übrigens "Hase", was irgendwie gar nicht zu ihm paßt. "Ratte" wäre viel besser Usagi j: Kagawa Teruyuki
e: Cheech Marin
d: Gerd Meyer

Anmerkung zur Synchronisation: in der japanischen (und auch der deutschen Fassung) wird Kumo von einer Frau gesprochen, in der englischen hingegen von einem Mann, was zu diesem esoterischen Charakter überhaupt nicht passt.

Timothy Dalton, der Sprecher von Haitaka, ist der Timothy Dalton: James Bond.


Daten: Regie: Miyazaki Goro Vorlage: Ursula K. Le Guin Erscheinungsjahr: 2006
Bewertung Animation:
Framerate: sehr gut Animationsqualität insgesamt: sehr gut Zeichenqualität: sehr gut Character-Design: man findet alle üblichen Ghibli-Charaktere wieder, aber besonders attraktiv oder sympathisch ist keiner davon. Alle (außer Kumo) strahlen eine bäuerliche Gewöhnlichkeit aus
Japanische DVD: Sprachen: Englisch, Japanisch Untertitel: Englisch, Japanisch Extras: Doku zur Produktion
besonders positiv aufgefallen: besonders negativ aufgefallen:
Bewertung sonstiges: Handlung: wenn man den Film öfters sieht, versteht man langsam, um was es geht Besonderheit: es wird alles mögliches als Reittiere benutzt, nur keine Pferde Musik: sehr gut
Japanische Synchronstimmen: nicht gerade überragend Englische Synchronisation: gut (bis auf Kumos Stimme) Untertitel: gut Gesamt-Beurteilung: mittel (höchstens)

Erstellt am 19.12.2010. Letzte Änderung: 1.5.2015