Tenkuu no Shiro Laputa (Die Himmelsburg Laputa)

englisch: "Laputa, Castle in the Sky" oder einfach "Castle in the Sky"; die Amerikaner sind sich nämlich im wesentlichen darüber im klaren, was "la puta" auf Spanisch heißt ...

Offizieller deutscher Titel: "Das Schloss im Himmel".

Tenkuu no Shiro Laputa

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Dieses Anime, übrigens das erste des berühmten Studios Ghibli, ist inspiriert von Jonathan Swifts satirischen Roman "Gullivers Reisen" aus dem Jahre 1726, in dem der Held Gulliver bekanntlich auch mal in der fliegenden Stadt Laputa landet. Nebenbei bemerkt wird "Gullivers Reisen" und heutzutage meist als Kindergeschichte verkauft, als solche war sie aber keineswegs beabsichtigt. Genausowenig wie jeder Zeichentrickfilm automatisch ein Kinderfilm ist. Das dürften Leser meiner Seiten ohnehin wissen, im Rest der Bevölkerung ist diese Erkenntnis aber leider immer noch nicht sehr weit verbreitet.

Wenn es eine fliegende Stadt gibt, dann fragt man sich natürlich, was sie am Himmel hält. Herr Miyazaki hat in seinem Anime folgende Antwort gegeben: einst existierte eine technisch ungeheuer fortgeschrittene Zivilisation, die unter anderem in der Lage war, aus bestimmten Mineralien blau leuchtende Kristalle zu gewinnen, die (u.a.) die Schwerkraft aufheben können und deshalb Levitationssteine genannt werden.

Die alte Zivilisation ist seit 700 Jahren erloschen, nur noch wenige Legenden erinnern an sie, Märchen im Grunde, an die keiner glaubt. Oder jedenfalls fast keiner. Ein paar Menschen gibt es aber noch, die aus unterschiedlichen Gründen davon überzeugt sind, daß Laputa, die Stadt im Himmel, tatsächlich existiert hat und immer noch existiert. Und dann taucht ein junges Mädchen (Shiita) auf, das um den Hals einen Levitationsstein trägt. Und damit beginnt ein phantastisches Abenteuer.

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Erschienen ist "Laputa" - endlich, nach langer Zeit - im Westen bei Disney. Ansonsten gibt es noch einen uralten deutschen Fansub, der aber heutzutage wohl nicht mehr zu bekommen sein dürfte, und die japanischen Datenträger, wobei Studio Ghibli es auch nicht eilig hatte, seine Sachen auf DVD herauszubringen.

2006 lief "Laputa" in deutschen Kinos, war aber alles andere als erfolgreich. Seitdem gibt es den Film auch als deutsche DVD. Diese habe ich 2009 erworben und muß sagen, daß sie ziemlich gut geworden ist. Ein paar Namen sind falsch ausgesprochen (vor allen "Pazu"), aber das ist in Deutschland bei Anime-Synchronisationen praktisch schon Standard. Ansonsten gibt es daran eigentlich nichts auszusetzen.


Fazit

Miyazaki Hayao hat ein paar ganz nette Filme gemacht, ein paar gute, ein paar hervorragende und ein paar ewige Meisterwerke, und zu diesen gehört "Laputa". (Das merkt man einerseits daran, wenn man sich diesen Film einfach mal anschaut, andererseits auch daran, daß man ihn sich immer wieder ansehen kann, ohne daß er langweilig wird.)

Mit "Gullivers Reisen" hat dieses Anime kaum noch etwas zu tun, es handelt sich um eine völlig eigenständige, sehr spannende und einfach großartig erzählte Geschichte, in der sich natürlich auch zahlreiche miyazaki-typische Elemente wiederfinden:

- Miyazaki hat anscheinend eine Vorliebe für unmögliche Fluggeräte. Das Luftkampschiff Goliath ist zum Beispiel mit Waffen bestückt, die man in der Realität nur auf Schiffen oder Eisenbahnen einsetzen kann, weil sie so schwer sind. Das macht aber nichts, Goliath fliegt trotzdem. Ähnliche Flugkörper gibt es zum Beispiel in Naushika, aber auch bei Majo no Takkyuubin kommt ein Zeppelin vor, und natürlich die fliegende Hexe selbst.

- eine Art "grüne Botschaft" in dem Sinne, daß die Menschen ihre Grenzen respektieren sollen, und daß die Technik sich auch sehr schnell gegen ihre Erschaffer wenden kann. Diese Weltsicht finden wir zum Beispiel auch sehr deutlich in Naushika und Mononoke Hime, und unter anderem darin unterscheidet Miyazaki sich total von seinem Kollegen Walt Disney.

- eine ausgesprochen gute Animationsqualität und Liebe zum Detail

- und natürlich das miyazaki-typische Aussehen der Figuren


Zusammenfassung der Handlung


Shiita (Lushiita Toel Ur Laputa) - Sie stammt aus Gondoa weit im Norden, aber in Wirklichkeit ist sie eine Prinzessin von Laputa. Nur ist dieses Wissen im Laufe vieler Generationen auf der Erde in Vergessenheit geraten. Und so weiß Shiita weder, was es mit dem geheimnisvollen blauen Stein auf sich hat, den sie von ihrer Mutter geerbt hat, noch warum auf einmal so viele seltsame Leute hinter ihr her sind. Aber sie hat ja noch ein paar Zaubersprüche ... Shiita j: Yokozawa Keiko
e: Anna Paquin
d: Nathalie Loewenberg
Pazu - genau wie Shiita ist er eine Waise, aber ansonsten haben die beiden auf den ersten Blick kaum etwas gemein. Doch das Schicksal läßt ihre Wege sich kreuzen, und von da an halten sie eisern zusammen Pazu j: Tanaka Mayumi
e: James van der Beek
d: Nico Mamone
Muska (Romuska Palo Ur Laputa) - Er ist ein entfernter Verwandter von Shiita, aber im Gegensatz zu ihr kennt er noch die Geheimnisse der Vergangenheit. Deswegen ist er hinter Shiita und ihrem Levitationsstein her, und dank seiner Schläue und Gerissenheit bekommt er beides auch Muska j: Terada Nou
e: Mark Hamil
d: Claus-Peter Damitz
Dola - Sie ist die Chefin eines Clans von Luftpiraten: Mutig sind sie alle, aber Dola ist die einzige mit der nötigen Intelligenz Ma Dola j: Hatsui Kotoe
e: Cloris Leachman
d: Ilona Grandke
General Muoro - Offiziell ist er der Leiter der Expedition, die nach den Schätzen von Laputa sucht, doch Muska spielt ihn locker an die Wand und degradiert ihn de facto zu seinem Gehilfen. Vor allem hat der General keine Ahnung, um was es in Wirklichkeit geht der General j: Nagai Ichirou
e: Jim Cummungs
d: Manfred Erdmann
Pazus Boss - Er ist Bergmann, und seine Maschinen sind alles, was ihn interessiert. Für Pazus Träumereien hat er keinen Sinn Pazus Boss e: John Hostetter
Madge - Ein Mädchen aus Pazus Dorf Madge j: Tarako
Pomu - Er ist ein alter Bergmann, der in den Höhlen und Stollen sogar wohnt. Er kennt einen kleinen Zipfel des Geheimnisses von Laputa Pomu j: Tokita Fujio
e: Richard Dysart
d: Werner Uschkurat
Louis - Einer von Dolas Söhnen (und damit natürlich Mitglied der Piraten) Louis j: Yasuhara Yoshito
e: Mandy Patinkin
d: Claus Brockmeyer
Ojiisan - Dolas Ehemann arbeitet auf dem Piratenluftschiff als Chef der Maschinen Ojiisan j: ?
e: ?

Daten: Regie: Miyazaki Hayao Design: Miyazaki Hayao Erscheinungsjahr: 1986
Bewertung Animation:
Framerate: sehr gut Standbilder: kaum Zeichenqualität: super Character-Design: Ghibli-typisch
US-DVD: Sprachen: japanisch, englisch (5.1), französisch Untertitel: englisch Extras: Interview mit einigen der US-Synchronsprecher, Extra-DVD
besonders positiv aufgefallen: Bonus-DVD besonders negativ aufgefallen: 1. Spielt nicht (jedenfalls nicht ohne Tricks) auf Computer-DVD-Laufwerken, wenn die Grafikkarte kein Macrovision unterstützt. 2. Sichtbare Kompressionsartefakte bei Standbildern 3. Keine vollständige Liste der Synchronsprecher
Bewertung sonstiges: Handlung: spannend Besonderheit: fliegende Städte, fliegende Mädchen und Luftschiffe, die zum Fliegen eigentlich viel zu schwer sind - aber bei Miyazaki fliegt zur Not alles Musik: sehr gut (komponiert von Joe Hisaishi)
Japanische Synchronstimmen: sehr gut Englische Synchronisation: Geschmacksache Untertitel: Dub-Titel (und da in der englischen Fassung meist mehr gesagt wird als in der japanischen, erscheinen oft Untertitel an Stellen, wo keiner was sagt) Gesamt-Beurteilung: genial

Erstellt am 7.7.2003. Letzte Änderung: 5.5.2015