Omohide Poro Poro

Laufzeit der DVD: 119 min.

Omohide Poro Poro

Okajima Taeko hat einen nicht besonders spannenden Bürojob in einer großem Firma in Tokyo, doch jetzt hat sie erst mal einen für japanische Verhältnisse sehr langen Urlaub von 10 Tagen, den sie auf dem Lande zu verbringen gedenkt. Schon als Kind war es das, was sie sich am meisten gewünscht, aber nie bekommen hat, weil sie, anders als die meisten ihrer Klassenkameraden, keine Verwandten auf dem Land hatte. Immerhin nahm ihre Großmutter sie mal mit zu den Kurbädern in Atami - kein besonders spannender Urlaub für ein abenteuerlustiges Mädchen. Am Ende wurde sie im heißen Wasser sogar ohnmächtig, und das war's dann mit dem Urlaub.

Taeko freut sich auf die Ananas

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Eines Tages brachte Herr Okajima eine Ananas mit nach Hause. Das Problem dabei war, daß niemand wußte, wie man so eine exotische Frucht überhaupt ißt. Einige Tage später hatte Frau Okajima es dann herausbekommen, und die ganze Familie versammelte sich zur feierlichen Ananas-Eß-Zeremonie, nur um festzustellen, daß sie ganz anders als die Dosen-Ananas schmeckte, überhaupt nicht so süß und viel härter.

Zu dieser Zeit, etwa um 1966 besuchten die Beatles Japan und lösten eine Welle der Begeisterung aus. Auch Taekos große Schwestern Yaeko und Nanako waren voll mit dabei, Taeko selbst hingegen war mit ihren 10 Jahren dafür noch zu jung. Dafür erinnert sie sich an alles mögliche andere aus ihrer Schulzeit, zum Beispiel an die Klassentreffen, in denen die Schulregeln festgelegt wurden.

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Der Zug kommt, Taeko steigt ein, setzt sich in ihr Abteil, und die nächste Rückblende beginnt. Eines Tages kamen ein paar Mädchen aus einer der Parallelklassen und überbrachten ihr eine Art Liebesbotschaft von einem gewissen Hirota Shuuji. Nachdem Taeko ihre Überraschung verdaut hatte, galt es nun herauszufinden, wer dieser Hirota eigentlich war. Es stellte sich heraus, daß er gar keine so üble Partie war: ein netter Junge, ein Ass im Baseball, und in Taeko verknallt. Natürlich wurde nichts daraus ... Aber es war ein tolles Gefühl.

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Der Zug fährt durch die Nacht, und Taekos Gedanken kreisen nach wie vor um ihre Schulzeit. Damals, in der 5. Klasse, bekamen sie so eine Art Aufklärungsunterricht, und von da an war die weibliche Periode das Gesprächsthema Nummer ein, und zwar auch bei den Jungen, obwohl diese natürlich keine Ahnung hatten, um was es dabei überhaupt ging. Die Mädchen schon eher. Aber auch bei denen gab dieses Thema Anlaß zu gewissen Mißverständnissen. Während ihrer Tage nahmen die Mädchen beispielsweise nicht am Sportunterricht teil, woraus Taeko messerscharf folgerte, daß Mädchen, die nicht am Sportunterricht teilnahmen, ihre Periode hatten. Auch wenn sie in Wirklichkeit vielleicht einfach nur erkältet waren ...

Toshio will von Taeko bei der Arbeit ein Bild machen

Irgendwann früh am Morgen erreicht der Zug schließlich sein Ziel. Taeko wird in der Bahnhofshalle von einem überaus freundlichen Mann empfangen, an den sie sich nur sehr vage erinnert: es ist Toshio, der Cousin des Mannes ihrer Schwester Nanako. Er packt sie und ihr Gepäck in sein kleines Autochen und macht sich auf den Weg zu sich nach Hause. Unterwegs hören sie ungarische Volksmusik. Toshio ist noch nicht sehr lange Bauer, Bio-Bauer, um es genau zu sagen, aber er liebt das Landleben und die Arbeit auf dem Feld, und erzählt Taeko eine ganze Menge darüber.

Taeko ist nicht aufs Land gefahren, um zu faulenzen, sondern um dort zu arbeiten, und jetzt gerade steht die Ernte der Benibana an, einer gelben Blüte, aus der ein knallroter Farbstoff gewonnen wird, der zum Färben von Stoff und zum Schminken benutzt wird. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, stürzt Taeko sich in die Arbeit und pflückt nun für den Rest des Tages die gelben Blüten.

Wir erfahren nebenbei, daß sie im Jahr zuvor schon einmal dort gewesen ist und die Leute kennengelernt hat- auch Toshio, aber offenbar nur sehr flüchtig. Nun, diesmal ist das deutlich anders, sie ist praktisch die ganze Zeit mit ihm und seiner Familie zusammen.

Nach dem Pflücken werden die Blüten gewaschen, zerstampft, getrocknet und noch alles mögliche andere, bis sie nach einiger Zeit dieses charakteristische intensive Rot annehmen.

Die Arbeit ist zeitweise ziemlich hart, und die Tage fliegen nur so vorbei. Taeko überlegt sich, wenn sie schon als Kind so etwas hätte machen können, wären ihre Schul-Aufsätze ziemlich spannend geworden.

Toshio hat auch eine kleine Schwester namens Naoko, mit der Taeko sich schnell anfreundet. Naoko hätte gerne Schuhe von Puma, weil die jetzt jeder trägt, und Taeko erinnert sich, was sie als Kind so alles haben wollte. Allerdings waren ihre Wünsche schnell wechselnden Launen unterworfen, was die Handhabung manchmal sogar für Taeko selbst ziemlich schwierig machte. Einmal trieb sie ihre Allüren so weit, daß ihr Vater ihr sogar eine Ohrfeige gab.

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Taeko hat Stress mit ihrem Vater - oder er mit ihr

Toshio lädt Taeko zu einer Fahr nach Zao ein, von wo aus man eine phantastische Aussicht auf die umgebende Landschaft hat. Die beiden trinken einen Tee, und Toshio fragt Taeko, warum sie noch nicht verheiratet sei. Die antwortet, die meisten ihrer Bekannten und Freundinnen seien noch Singles, das sei heutzutage so. Dann unterhalten sie sich über Mathematik und die Division durch Brüche, die bekanntlich nicht nur für Taeko ein Buch mit sieben Siegeln war bzw. ist. Ihre Schwester Yaeko, die in Mathematik sehr gut war, sollte ihr sogar mal Nachhilfe geben, doch dabei kam natürlich auch nichts heraus, außer daß Yaeko über Taekos Dummheit bis zur Sprachlosigkeit empört war und meinte, mit ihr stimme wohl etwas nicht im Kopf, und ihre Mutter sich resigniert dieser Meinung anschloß.

Die Gegend, in der Toshio lebt, ist ziemlich bergig (wie fast ganz Japan), und er meint, wenn Taeko mal im Winter käme, könnten sie hier gut skifahren.

Auf der Rückfahrt sehen die beiden sich die idyllische Landschaft an und Toshio erklärt, das alles hier sei Kulturlandschaft, von Menschen geschaffen und seit Jahrhunderten bewirtschaftet. Taeko gefällt das sehr gut, sie fühlt sich hier wie Zuhause.

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Nach dem Blütenpflücken kommt die Arbeit in Reisfeld, die körperlich ebenfalls ziemlich fordernd ist, zumindest für Bio-Bauern, die weitgehend auf Chemie usw. verzichten. Zwischendurch probiert sie auch alles mögliche andere aus, was so ein Bauernhof zu bieten hat, etwa Kühe melken, Obst ernten und abends dem romantischen Sonnenuntergang zusehen. Dabei fällt ihr wieder eine Episode aus ihrer Kindheit ein. Sie war zwar in Mathematik eine Niete, hatte aber ein beachtliches künstlerisches Talent, vor allem als Schauspielerin. Bei einem Schulauftritt hatte sie zwar nur eine Mini-Rolle, doch mit der erregte sie soviel Aufmerksamkeit, daß die Interessenten bei ihren Eltern Schlange standen. Leider hatte aber ihr Vater überhaupt keinen Sinn für solche "Mätzchen", und so mußte Taeko ihre Hoffnungen auf eine Karriere als Schauspielerin schnell wieder begraben, was ihr nicht leichtfiel.

Toshio, Naoko und Taeko

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An ihrem letzten Abend fragt Toshios Großmutter Taeko, ob sie nicht hierbleiben und Toshio heiraten wolle. Auch Toshios Eltern finden das gar keine so schlechte Idee, auch wenn sie es nicht so direkt ausgedrückt hätten. Und Taeko selbst - ihr gefällt es hier auf dem Land viel besser als in Tokyo. Aber ein bißchen plötzlich kommt das schon. Schließlich läuft sie in die Nacht hinaus, um darüber mal in Ruhe nachdenken zu können und wird schließlich von Toshio, der natürlich keine Ahnung hat, was passiert ist, mit dem Auto aufgelesen. Ein letztes Mal sehen wir eine Rückblende in ihre Schulzeit. Diesmal geht es um einen Jungen namens Abe aus sehr ärmlichen Verhältnissen, der eines Tages in ihrer Klasse auftauchte, weil sein Vater nach Tokyo versetzt worden war. An Abe war alles schäbig: seine abgetragene Kleidung ebenso wie sein Benehmen. Natürlich wollte in der Klasse niemand neben ihm sitzen, und so landete er schließlich neben Taeko, der das komischerweise nichts ausmachte. Einige Zeit später verließ Abe die Schule wieder, und Taeko wußte nicht, ob sie darüber glücklich oder traurig sein sollte. Denn Abes rüpelhaftes Benehmen speziell ihr gegenüber war wahrscheinlich ein Versuch, Zuneigung auszudrücken. Jedenfalls hinterließ er auf sie, auch nachdem er weg war, einen recht nachhaltigen Eindruck, sodaß sie sogar einige seiner Gewohnheiten zu imitieren begann.

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Am nächsten Morgen liefern Toshio und seine Leute Taeko am Bahnhof ab. Taeko steigt in den Zug, fährt los, steigt am nächsten Bahnhof aus und fährt wieder zurück (diese Szene ist ziemlich cool animiert). Und so kommen Taeko und ihr Toshio doch noch zusammen.


Erstellt am 8.6.2010. Letzte Änderung: 20.2.2014