Shiki

Shiki

"Shiki" schreibt sich mit den Kanji für "Leichnam" und "Teufel". Gemeint sind damit die Wesen, die diese Geschichte bevölkern.

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Zu diesem Anime habe ich keine Zusammenfassung der einzelnen (22) Folgen geschrieben sondern nur eine Gesamt-Übersicht. Dafür gibt es drei Gründe: erstens lohnt es sich nicht wirklich. Zweitens hat mir der Schluß nicht gefallen. Und drittens finde ich Vampir-Geschichten generell unglaubwürdig, weil sie allesamt einen fundamentalen Logikfehler enthalten.

Im Grunde ist die Vampir-Geschichte sehr kurz: ein Vampir beißt einen Menschen, der dadurch selbst zum Vampir wird. Wenn dieser Vorgang einmal pro Nacht stattfindet, ist nach ziemlich genau fünf Wochen die gesamte Menschheit in Vampire verwandelt. Diese finden dann nichts mehr zu Fressen, müssen verhungern, und damit ist die Vampir-Geschichte zu Ende.

Das nennt man exponentielles Wachstum, und wenn man mit einer Vampir-Geschichte mehr als nur drei Sätze füllen will, muß man entweder die Mathematik außer Kraft setzen oder das Wachstumsgesetz modifizieren, wie bei bei "Shiki" auch teilweise, aber nicht wirklich überzeugend, geschehen ist.

Was mir an "Shiki" ebenfalls nicht gefallen hat ist die wahllose Mischung aus Vampiren, Zombies und Werwölfen, die hier präsentiert wird. Die Japaner haben wohl kein Problem damit, sich aus den Horrorvorstellung der Welt einen bunten Strauß zusammenzustellen, und es ist auch eine sehr spannende Geschichte dabei herausgekommen, aber ich fand das ziemlich unpassend. Ein Werwolf ist nun mal ein Werwolf und nicht eine Abart eines Vampirs.

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Kurze Zusammenfassung der Handlung

In Japan ist es anscheinend heutzutage üblich, Verstorbene einzuäschern. Nicht so in Sotoba, einem völlig abgelegenen Dorf irgendwo tief in den Bergen, das etwa 1300 Einwohner hat, und wo man die Toten noch ordentlich begräbt (übrigens nicht auf einem Friedhof, sondern im Wald). Über dem Dorf thront eine protzige Villa, und dort zieht eines Tages - genauer gesagt eines Nachts - die anscheinend sehr reiche und noble Familie Kirishiki ein, von der wir erst mal nicht viel zu sehen bekommen.

Von dieser Nacht an häufen sich in Sotoba seltsame Todesfälle. Die Betroffenen verlieren innerhalb weniger Tage alle Kräfte und sterben dann unaufhaltsam. Was die Menschen zunächst nicht wissen: einige dieser Toten erstehen wieder auf. Die meisten bleiben tot, aber die, die wieder lebendig werden, sind nun Vampire, genau wie die Kirishikis, die diesen Prozeß in Gang gesetzt haben. (Hier hat man die Konzepte "Vampir" und "Zombie", die weder zusammenpassen noch etwas miteinander zu tun haben, munter vermischt).

Mehr und mehr Menschen verfallen nun in den nächsten Tagen und Wochen dieser seltsamen Krankheit und sterben kurz darauf, während die übrigen Dorfbewohner von dieser unheimlichen Häufung von Krankheits- und Todesfällen keinerlei Notiz nehmen. Nur Doktor Ozaki, bei dem alles zusammenläuft, kommt das immer seltsamer vor, bis er schließlich den Beweis findet, daß hier wirklich Vampire ihr Unwesen treiben, was ihm natürlich keiner (oder fast keiner) glaubt. Eines Tages stirbt seine eigene Frau und wird nach ein paar Tagen wieder lebendig. Ozaki hat das aber vertuscht, um seine Befürchtung bestätigen und mit ihr experimentieren zu können, was er dann auch ausgiebig und auf sehr blutige Weise tut. Es stellt sich folgendes heraus: die Untoten, die "Shiki" genannt werden, haben keinen Puls, sie atmen nicht, ihr Körper ist kalt, sie können keine Nahrung zu sich nehmen außer Blut, sie fürchten religiöse Symbole und heilige Ort, ihre Körper lösen sich im Sonnenlicht auf, sind aber ansonsten extrem widerstandsfähig. Um sie endgültig zu töten (tot sind sie ja eigentlich schon), muß man ihnen entweder den Kopf abschlagen oder einen Pfahl ins Herz treiben. Außerdem erlangen Shiki hypnotische Macht über die, die sie einmal gebissen haben, sodaß die Menschen keine Chance auf Widerstand haben und sich statt dessen Nacht für Nacht aussaugen lassen, bis sie sterben. Im Übrigen haben sie, wenn sie als Shiki wieder auferstehen, alle Erinnerungen an ihr Dasein als Menschen. Manche finden nichts dabei, jetzt Vampire zu sein, ander leiden sehr darunter, nun töten zu müssen, um selbst leben zu können. Doch sie sind einfach dazu gezwungen. Denn im Haushalt der Kirishikis gibt es auch zwei Werwölfe. Das sind in dieser Geschichte ebenfalls Vampire, die aber auch tagsüber aktiv sein können, extrem stark sind und sich sogar von normaler Nahrung ernähren können, aber auch Blut saugen. (Was diese "Werwölfe" mit richtigen Werwölfen zu tun haben sollen, ist mir leider verborgen geblieben. Offenbar fanden die Produzenten dieser Geschichte es cool, in ihrem mythologischen Gemischtwarrenladen auch noch Werwölfe unterzubringen.)

Tatsumi ist einer dieser Werwölfe. (Der andere spielt keine Rolle.) Obwohl er einem "gewöhnlichen" Vampir oder Shiki weit überlegen ist, dient er doch den Kirishikis und sorgt dafür, daß die neu erschaffenen Shiki folgsam sind. Schließlich sind Vampire tagsüber völlig wehrlos und brauchen einen Beschützer.

Wie oben schon erwähnt, vermehrt sich die Anzahl der Shiki sich mehr oder weniger exponentiell, doch dann kommt Ozaki der Zufall zuhilfe. Ein Junge aus dem Dorf (Natsuno) wird ebenfalls gebissen, in der folgenden Nacht wieder usw. bis er stirbt, doch er ersteht nicht als Vampir auf, sondern als Werwolf. Damit ist er von Tatsumi unabhängig und kann sich an ihm und den Kirishikis rächen. Er und Ozaki entwickeln einen raffinierten Plan. Ozaki gelingt es, die wichtige Kirishiki Chizuru, die es auf ihn ganz persönlich abgesehen hat, hinters Licht zu führen. Vor den Augen des gesamten Dorfes enthüllt er ihr wahres Wesen. Und dann gibt es kein Halten mehr. Die Dorfbewohner laufen Amok und verfallen geradezu in einen Blutrausch. Jeder Shiki, den sie finden, wird erbarmungslos abgeschlachtet, was sich über mehrere Tage hinzieht.

Ein interessantes Detail dieser Erzählung ist der Kontrast zwischen den sehr menschlich dargestellten Shiki, die teilweise unter ihrem Dasein extrem leiden, und den echten Menschen, die erst völlig stumpfsinnig vor sich hin leben, dann aber zu reißenden Bestien werden und die Vampire so grausam niedermetzeln, daß man fast Mitleid mit ihnen haben muß.

Nichts desto trotz könnte damit alles wieder in Ordnung sein, doch statt dessen bricht völlig unmotiviert ein gewaltiges Feuer aus, das den Wald und das Dorf zerstört. Die Menschen können sich in Sicherheit bringen, aber wieviele Shiki übrig bleiben, ist im Grunde unbekannt. Zumindest Sunako bleibt wohl am Leben, und das auf eine extrem konstruierte Art und Weise.

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Sunako erzählt einmal, daß sie schon über hundert Jahre alt ist. Als kleines Mädchen wurde sie offenbar von einem Vampir gebissen und damit selbst zu einem, und ich frage mich, wie sie es geschafft hat, hundert Jahre zu überleben und durch die Welt zu ziehen, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Wenn ein Shiki einen Menschen nur einmal beißt, dann erholt er sich wieder und der Biß bleibt folgenlos, d.h. es ist schon vorstellbar, daß ein einsamer Vampir durch die Lande zieht, ohne in kürzester Zeit die gesamte Menschheit auszurotten. Aber wie ein kleines Mädchen diesen prekären Gleichgewichtszustand 100 Jahre lang aufrecht erhalten können soll, ist mir ein Rätsel. Außerdem kommt sie ja nicht allein nach Sotoba, sondern zusammen mit mehreren anderen Vampiren (und mindestens 2 Werwölfen). Wovon haben sie vorher gelebt? Was ist aus all ihren Opfern geworden? Wieso hat in den vergangenen hundert Jahren nie jemand etwas gemerkt usw? Diese fundamentalen Logikfehler, die so unübersehbar sind, daß sie selbst einem Minderbemittelten auffallen müßten, verleiden mir leider gründlich jeden Spaß an dieser ansonsten sehr gut erzählten und spannenden Geschichte (wenn man mal von dem ziemlich idiotischen Schluß absieht).

Was noch erwähnenswert ist, ist der eigenartige Erzählstil. Die Geschichte springt ständig um mehrere Tage oder gar Wochen vor und zurück. Interessanterweise funktioniert das aber sehr gut.


Hier die wichtigsten Charaktere. Alle aufzuzählen, die im Verlauf der 22 Folgen mal erwähnt werden, ist nicht möglich. Schließlich hat Sotoba 1300 Einwohner, und das ist für eine solche Tabelle doch ein bißchen viel

Ozaki Toshio - Chef der Ozaki-Klinik. Die meisten, die sterben, waren vorher seine Patienten, so daß er besser als jeder andere im Dorf den Überblick über die schauerliche Todeswelle hat. Er ist auch einer der ersten, die den wahren Grund dafür herausfinden, doch zunächst sieht es für Ozaki schlecht aus, denn natürlich will niemand ihm glauben. Etwa ab Folge 18 wendet sich das Blatt dann aber, und das gründlich Ozaki Toshio Ookawa Tooru
Muroi Seishin - sein Vater ist der Oberpriester des Dorfes, liegt aber mehr oder weniger im Koma, so daß Seishin die Rolle des Priesters innehat. Als solcher bekommt er viel zu tun, denn es sind mehr und mehr Menschen zu beerdigen. Wie einige andere auch, so merkt auch Seishin nach einiger Zeit, was die Ursache dafür ist, doch statt gegen die Vampire zu kämpfen, erliegt er ihrer Faszination und schließt sich ihnen (vor allem Sunako) am Ende sogar freiwillig an. Nebenbei schreibt er recht erfolgreiche Romane, in denen es ebenfalls um einsame tragische Helden und Dämonen geht. Sunako ist ein großer Fan von ihm Muroi Seishin Okitsu Kazuyuki
Yuuki Natsuno - er kommt aus der Großstadt, und seine Eltern sind ziemlich abgedrehte und weltfremde Idealisten, die so eine Art Bio-Schreinerei betreiben. Natsuno merkt ziemlich schnell, welcher Feind ihn und das Dorf bedroht, doch seine Eltern glauben von diesem Hokus Pokus kein Wort und vereiteln systematisch jeden seiner Versuche, sich zu wehren. Also er fällt in Folge 10 den Vampiren zum Opfer und stirbt, wacht aber nicht als Vampir, sondern als Werwolf wieder auf, was sich als entscheidender Glücksfall erweist Yuuki Natsuno Uchiyama Kouki
Mutou Tooru - er ist ein Sonnyboy, der Freundlichkeit und gute Laune für sich gepachtet zu haben scheint. Außerdem ist er Natsunos bester Freund. Das wird ein großes Problem, als er in einen Vampir verwandelt und auf Natsuno angesetzt wird Mutou Tooru Okamoto Nobuhiko
Murasako Masao - er ist ein streitsüchtiger Egoist und Looser, den niemand mag und der gar kein Problem damit hat, ein Vampir zu werden Murasako Masao Takahashi Shinya
Kirishiki Sunako - sie sieht aus wie ein kleines Mädchen, ist aber sozusagen der Ober-Vampir dieser Geschichte. Sie und Seishin verstehen sich auf den ersten Blick sehr gut und entwickeln eine ungewöhnliche Beziehung zueinander Kirishiki Sunako Yuuki Aoi
Kirishiki Chizuru - sie spielt nach außen Sunakos Mutter, obwohl sie wahrscheinlich viel jünger als Sunako ist. Nachts zieht sie auf der Suche nach leckeren Opfern durch das Dorf Kirishiki Chizuru Orikasa Ai
Kirishiki Seishirou - er ist ein Mensch, der sich freiwillig den Vampiren angeschlossen hat. Jetzt spielt er die Rolle von Sunakos Vater und Chizurus Ehemann Kirishiki Seishirou Gackt
Tatsumi - er ist Sunakos wichtigster Mann. Als Werwolf kann er auch tagsüber aktiv sein, außerdem ist er sehr intelligent und entschlossen, und er geht bei der Unterwanderung Sotobas mit einer sadistischen Schlauheit vor, so daß niemand etwas merkt, bis es fast zu spät ist Tatsumi Takagi Wataru
Shimizu Megumi - sie leidet sehr darunter, in einem armseligen Bauern-Nest wie Sotoba, wo es außer Kühen nichts gibt, leben zu müssen, und daran ändert sich auch nichts, als sie (bereits in Folge 1) zum Vampir wird. Sie will viel lieber in der großen Stadt leben und ein Star werden, und warum nicht als Großstadtvampir? Shimizu Megumi Tomatsu Haruka
Tanaka Kaori - sie ist mit Megumi befreundet, aber anders als sie fühlt sie sich in Sotoba durchaus wohl Tanaka Kaori Nagashima Haruka
Tanaka Akira - Kaoris kleiner Bruder. Die beiden kommen relativ schnell dahinter, wer für die vielen Todesfälle im Dorf verantwortlich ist. Aber wer würde schon zwei Kindern glauben, daß es sich um Untote handelt? Also gehen sie die Sache auf eigene Faust an, und wie durch ein Wunder bleiben sie dabei am Leben Tanaka Akira Kawakami Keiko
Kunihiro Ritsuko - eine von Ozakis Krankenschwestern. Sie bekommt am eigenen Leibe mit, warum es in Sotoba so viele Tote gibt, als sie sich nämlich selbst dazugesellt und dann als Vampir wieder aufersteht. Doch anders als alle anderen weigert sie sich Blut zu trinken. Ihr Beruf ist es Leben zu retten und nicht Leben zu nehmen, und daran hält sie sich auch als Vampir noch Kunihiro Ritsuko Sasaki Nozomi
Ookawa Tomio - er ist ein seltsamer Typ. Er hat sehr rabiate Erziehungsmethoden und verfügt über geradezu übermenschliche Kraft. Als in den Folgen 18 und 19 herauskommt, daß Untote das Dorf bedrohen, läuft er Amok und pfählt einen nach dem anderen, am Ende sogar seinen eigenen Sohn Ookawa Tomio Ishii Kouji
Ookawa Atsushi - Tomios nichtsnutziger Sohn. Ihm macht es nicht nur nichts aus, ein Vampir geworden zu sein, er empfindet es sogar als Befreiung von seinem herrischen Vater. Statt dessen zieht er nun mit Chizuru durch Sotoba und läßt zum ersten (und letzten) Mal in seinem Leben so richtig die Sau raus Ookawa Atsushi ?

Daten: Regie: Amino Tetsuro Design: Ono Fuyumi, Fujisaki Ryu, Ochi Shinji Erscheinungsjahr: 2010
Bewertung Animation:
Framerate: gut Animationsqualität insgesamt: gut Zeichenqualität: gut Character-Design: paßt gut zu der spukigen Handlung
Bewertung sonstiges: Handlung: blutig und brutal Besonderheit: zwei extra Zähnchen zum Anbeißen Musik: sehr gut
Japanische Synchronstimmen: sehr gut Untertitel: gut Gesamt-Beurteilung: sehr spannend, aber mit einem ziemlich idiotischen Ende

Erstellt am 21.8.2014. Letzte Änderung: 23.4.2015