Cels

Cel - Bildelement eines Zeichentrickfilms. Das Wort geht zurück auf "Celuloid". Animes mit Cel-Animation wurde in Japan bis ca. zum Jahr 2000 produziert. Bei einigen langlaufenden Serien wie "Conan" oder "Inuyasha" auch noch einige Jahre darüber hinaus. Von Miyazaki-Produktionen abgesehen war der letzte mit Cels produzierte Kinofilm der "Oh My Goddess"-Film. Das heißt, Cels sind heute ein abgeschlossenes Sammelgebiet.

Hinweis: Diesen Text habe ich noch während der Cel-Ära verfaßt und später nur geringfügig angepaßt. Betrachten Sie ihn also zumindest teilweise als historisches Dokument einer untergegangenen Zeit.

Cel-Galerie - hier ein Link auf meine Cel-Sammlung. Im Internet finden Sie etliche weitere. (Am besten mit dem englischen Begriff "cel gallery" suchen.)

Überblick Film- und Anime-Produktion

Bildwiederholrate: im PAL-Format (europäische Fernsehnorm) besteht das, was wir sehen, aus 50 Halbbildern pro Sekunde, bei NTSC 60. Bei einer klassischen Bildröhre schreibt der Elektronenstrahl des Fernsehers zunächst die ungeraden Zeilen, dann für das nächste Halbbild die geraden usw. Fernsehfilme werden auch so aufgenommen, d.h. jedes Halbbild zeigt die Szene 1/50 sec später als das vorhergehende. Kinofilme werden allerdings vollbildweise produziert und im Kino auch so projiziert (und zwar mit 24 Vollbildern pro Sekunde). Wenn man einen Kinofilm im Fernsehen sendet, dann werden die 24 Vollbilder zu 50 Halbbildern umgearbeitet, wobei sich, anders als bei echten Fernsehproduktionen, die 2 zusammengehörigen Halbbilder nicht voneinander unterscheiden.

Der - je nach Produktion - vorhandene oder nicht vorhandene Zeitversatz der Halbbilder führt zu subtilen Problemen, wenn man Filme von einem Format in das andere konvertiert, wie das etwa bei Videos, LDs und DVDs regelmäßig der Fall ist, und die Technik muß ziemlich tief in die Trickkiste greifen, damit man davon (fast) nichts sieht.

Cel: Animes werden nicht so produziert, daß die Zeichner 30 (NTSC) Bilder oder gar 60 Halbbilder für eine Sekunde Film zeichnen müßten. In Wirklichkeit arbeitet man - je nachdem, wie man es sehen will - viel effektiver oder sparsamer. Das Produktions-Grundelement eines Zeichentrickfilms ist die Cel. Diese besteht in der Regel aus mehreren Schichten, etwa dem Hintergrund, darüber die Figur z.B. ohne Mund und darauf eine weitere Lage mit dem Mund separat, der dann in mehreren Ausführungen (offen, halb zu, geschlossen) auf die anderen Schichten gelegt wird, um so etwa den Eindruck des Sprechens zu erzeugen. Hat die Figur zu Ende gesprochen, kommt vielleicht eine andere dazu - alles vor demselben Hintergrund. D.h. es gibt normalerweise viel weniger Hintergründe als Cels mit Figuren-Motiven. Es gibt allerdings auch Hintergründe ohne Vordergrund, etwa bei einem Blick in ein leeres Zimmer. Wenn Sie also bei einem Cel-Händler separate Hintergründe erwerben können, heißt das nicht unbedingt, daß die Vordergrund-Cels abgetrennt wurden, sondern möglicherweise hat es nie welche gegeben. Das ist insbesondere bei Animes nach dem Jahr 2000 der Fall, bei denen oft noch handgezeichnete Hintergründe verwendet werden, aber keine Cels mehr. Allerdings gibt es auch voll computerproduzierte Animes, bei denen überhaupt kein Papier mehr angefaßt wird.

Frame: Wenn für das Zeichnen die Cel das Grundelement ist, dann ist es für das Aufnehmen des Films der Frame. Die Framerate gibt an, wie oft pro Sekunde sich in einem Zeichentrickfilm etwas bewegt. Belichtet man etwa (für eine NTSC-Produktion) eine Szene 30 mal unverändert hintereinander auf den Film, dann bekommt man eine Framerate von 1 Frame pro Sekunde (30 Bilder pro Sekunde werden gesendet und alle diese 30 Bilder lang haben wir dasselbe Motiv). Das Ergebnis wäre dann eine Art Dia-Schau. Optimal wäre es natürlich, wenn Animes mit einer Framerate von 30 Frames / sec produziert würden. Dann wären alle Bewegungen wunderbar glatt und kontinuierlich. Das ist aber zu teuer, so daß man die Framerate gerade so hoch wählt, wie das Geld ausreicht, um sie zu produzieren. Daher kommen u.a. die Qualitätsunterschiede zwischen den Animes. Je weniger Frames pro Sekunde, desto eckiger die Bewegungen, aber desto billiger ist die Produktion, weil man weniger zeichnen muß.

Bei Realfilmen ist es natürlich immer so, daß Framerate und Bildwiederholrate identisch sind, der Begriff macht daher nur in der Welt der Zeichentrickfilme einen Sinn.

Im übrigen sind Framerate und Anzahl der Cels pro Sekunde unabhängige Größen. Es gibt beispielsweise (je nach Anime mehr oder weniger viele) Standbilder, das sind meist Cels in Übergröße komplett mit allen Figuren und Hintergrund, die einfach unter der Kamera bewegt werden. Manchmal wird auch in sie hineingezoomt, um den Eindruck von Bewegung zu erzeugen. (Besonders bei "Sailor Moon" und "Record of Lodoss War" haben wir recht viele Beispiele für diese Animationstechnik.) D.h. es bewegt sich was, die Cel an sich verändert sich aber nicht und muß für etliche Frames herhalten.

Cels und Animeproduktion im Detail

So wurde vor dem Jahr 2000 immer gearbeitet:

Celproduktion Schritt 1 Zunächst wird von der Szene ein Entwurf skizziert
Kikaku -> Ekonte -> Gendouga
Celproduktion Schritt 2 Der Entwurf wird dann Bild für Bild in eine Cel-Vorzeichnung umgesetzt
Ekonte -> Gendouga -> Zerogurafu toreesu
Celproduktion Schritt 3 Die Vorzeichnungen werden dann wie die fertigen Cels gefilmt. Anhand des Films sieht man eventuelle Fehler, die sich an dieser Stelle noch leicht korrigieren lassen
Celproduktion Schritt 4 Jetzt wird die Vorzeichnung mit einem Spezial-Kopierer auf eine leere Cel übertragen.
Beachten Sie, daß alle Mitarbeiter, die mit den Cels in Berührung kommen, Handschuhe tragen
Gendouga -> Zerogurafu -> Toreesu
Celproduktion Schritt 4b Auf der Kopierfolie bleibt als Negativ das soeben übertragene Bild zurück. (Die Folie wird dann weggeworfen.)
Celproduktion Schritt 5 Die Cel wird ein letztes Mal inspiziert ...
toreesu -> Saikishi -> Shiage Kensa (Detail-Prüfung)
Celproduktion Schritt 6 ... und dann von hinten ausgemalt.
Diese Produktionstechnik hat für die Haltbarkeit von Cels große Konsequenzen: die Farbe ist ziemlich dick und daher haltbar gegen UV-Strahlung, dafür aber eher spröde (also Cels niemals rollen oder knicken). Die schwarzen, aufkopierten Umrisse sind sehr dünn und bleichen relativ schnell aus (allerdings stark abhängig vom Produktionsstudio. Anscheinend verwenden sie verschiedene schwarze Farben)
Celproduktion Schritt 7 Jetzt kommt noch ein Hintergrund dazu ...
Ekonte -> Haikei - > Satsuei
Celproduktion Schritt 8 ... dann werden alle Schichten zusammengelegt und gefilmt.
Damit hat die Cel ihren Zweck erfüllt und ist jetzt Industrie-Müll. Sie wird nun weggeworfen, an Mitarbeiter verschenkt, an Händler verramscht, von Cel-Dieben gestohlen (,die sie dann auf dem grauen Markt verkaufen) oder ähnliches.

Jede Cel hat übrigens einen Code (meist rechts oben in der Ecke vermerkt), der üblicherweise aus einem Buchstaben und einer Zahl besteht. Die Zahl gibt an, um die wievielte Cel in der Sequenz es sich handelt, der Buchstabe bedeutet die Lage im Stapel. "A1" ist also die oberste Cel und die erste einer Sequenz. Steht "end" dabei, dann ist es die letzte.

Arten von Cels, Cels als Sammlerstücke

Die japanischen Studios verkaufen meistens nach der Produktion eines Films die Cels. Es sind bei den Fans begehrte Sammlerobjekte, die je nach Motiv tausende von Dollars kosten können (und schon alleine deswegen wie rohe Eier behandelt werden sollten). Jede Produktions-Cel ist ein handgemaltes Unikat.

Je nach Politik des Studios werden Cels manchmal mit, manchmal ohne ihre zugehörige Douga (Vorzeichnung) verkauft.

Beachten Sie folgende Punkte:

Chroma-Cels werden (in mehr oder weniger limitierter Auflage) für Sammler angefertigt und dienen nicht der Anime-Produktion. Nichts desto trotz sind sie meisten sehr dekorativ, nicht allzu teuer und daher einen Kauf wert. Mit Produktions-Cels kann man sie sowieso nicht verwechseln, wenn man sich auch nur ein bißchen auskennt, außer, sie werden extra in der Absicht gefälscht, Sammler zu betrügen.

Key-Cels: Ein Bewegungsablauf besteht aus mehreren Cels (oft bei festem Hintergrund), in denen die Figur Stück um Stück ihre Haltung oder Position verändert. Einige dieser Zwischenschritte werden von besonders guten Zeichnern, den Key-Animatoren, gezeichnet, die dazwischenliegenden Frames von Assistenten.

Logischerweise zeichnen die Key-Animatoren die wichtigen Cels einer Sequenz, d.h. in der Regel Anfang, Ende und wichtige Zwischenschritte. Soweit ich herausfinden konnte, erkennt man Key-Cels daran, daß der Code (auf der Skizze, und manchmal auch auf der Cel selbst) umkringelt ist. "A1" und "... end" dürften immer Key-Cels sein.

Key-Cels sind wertvoller als die von Assistenten gezeichneten. (Angeblich dürfen nur Zeichner mit mindestens 10 Jahren Erfahrung Key-Cels zeichnen.)

Spezielle Cels: auch für Poster, Bilderalben, LD-Hüllen usw. werden manchmal Cels angefertigt, die dann bei Händlern und Sammlern zu teilweise astronomischen Preisen verkauft werden

Richtlinien für den Wert einer Cel

  1. Motiv: Cels mit Hauptpersonen sind wertvoller als solche, die Nebenfiguren zeigen (obwohl natürlich auch diese sehr schöne Motive abgeben können; hier sind Schnäppchen möglich).
  2. Sehr begehrt sind Großaufnahmen der Gesichter. Direkt von vorn ist wertvoller als von der Seite. Augen offen ist wertvoller als Augen halb oder ganz geschlossen.
  3. Figur in der Mitte ist wertvoller als Figur am Rand.
  4. Cels von populären Animes sind tendenziell teurer als welche von relativ unbekannten. Besonders heben sich hier die Studios Gainax ("Evangelion", "Fushigi no Umi no Nadia") und Ghibli ("Kiki", "Totoro", "Mononoke", "Naushika") hervor: diese Cels sind sehr rar und extrem teuer ("überteuert", würde ich sagen). Ebenfalls heiß begehrt sind Cels aus der "Oh my Goddess"-OVA. Für ein gutes Belldandy-Portrait können Sie schon mal 1000 - 2000 $ rechnen, wenn Sie es überhaupt bekommen. Es kommt auch vor, daß die Copyright-Inhaber dem Studio verbieten, Cels zu verkaufen. Bekanntestes Opfer ist "Evangelion". Einige Produktions-Cels sind trotzdem auf dem Markt - zu entsprechenden Preisen. Ansonsten bekommen Sie "nur" Reproduktionen - sehr hübsch (und auch nicht gerade billig), aber eben keine Originale.
  5. Cels von neueren Animes sind meist leichter und in größerer Auswahl zu bekommen als Cels von alten Sachen. Das sagt allerdings nicht unbedingt etwas über den Preis aus. Denken Sie auch daran, daß es öfters mal nach mehreren Jahren Fortsetzungen alter Animes gibt. Wenn z.B. Cels von "Bubblegum Crisis" angeboten werden, dann sind es wahrscheinlich Motive aus der neuen TV-Serie. Diese unterscheidet sich von Character-Design so gründlich von der alten OAV, daß man das sofort sieht. Bei "Mahou tsukaitai" beispielsweise ist das aber nicht so offensichtlich. (Von der TV-Serie gibt es keine Cels, weil sie am Computer produziert wurde.)
  6. Die zur Zeit wertvollsten (oder sagen wir mal teuersten) Cels auf dem Markt:
    - Ghibli-Sachen (und da so ziemlich egal, von welchem Anime)
    - Portraits der drei Göttinnen aus "Oh my Goddess"
    - "Lodoss"-OAV-Cels, insbesondere Deedlit, Pirotess und Ashram (für so eine Cel wurden mal 2500 Dollar verlang)
    - folgende Motive aus "Sailor Moon": Black Lady, die äußeren Senshi, Mistress 9
    - die Hauptfiguren aus "Mahou tsukaitai"
  7. Und natürlich gilt auch für Cels das gute alte Gesetz von Angebot und Nachfrage. Und bedenken Sie: jedes Stück ist ein Unikat. Wenn es weg ist, ist es weg.

Einrahmen, Archivierung

Diese Art der Cel-Präsentation hat zwei Nachteile:

Erstens werden die Cels dem Licht ausgesetzt, was ihnen generell nicht so gut tut,

und Zweitens werden in so einem Rahmen Cel und Hintergrundlagen fest aufeinander gepreßt, so daß sie dadurch eventuell unlösbar verkleben.

Cels sind aber so dekorativ, daß man sich vielleicht trotzdem einige aufhängen möchte.

Am besten passen für Cels in Standardgröße sind Rahmen mit 30 * 30 cm, für solche mit Hintergrund in der Regel 30 * 40. Diese sind in den Läden nicht immer vorrätig, können aber bestellt werden. Kosten: ca. 10 DM.
Cel-Rahmung Cel-Rahmung
Außer dem Rahmen und der Cel brauchen Sie ein Lineal und eine Schere oder ein scharfes Messer. Dem Rahmen liegt ein Blatt in der Größe 30 * 30 cm bei, aus dem Sie eine Maske ausschneiden: rechts und links 2 bis 2-5 cm, oben und unten jeweils ca. 4 cm vom Rand. Die Schichtfolge ist dann folgendermaßen: 1. die Platte des Rahmens, 2. ein zusätzliches Einlegeblatt 30 * 30 cm (kann aus DIN A3 gewonnen werden), 3. die Cel ohne ihre Hülle, 4. die Maske, 5. das Glas.

Hinweise: Normales Papier ist bekanntlich mehr oder weniger säurehaltig und zerfällt nach 100 - 200 Jahren zu Staub. Schon vorher wird es durch die Säure (Schwefelsäure normalerweise) angegriffen und vergilbt. Und alles, was das Papier berührt, wird mit angegriffen. (Man sieht es einem Papier nicht an, ob bzw. wie stark säurehaltig es ist; man muß es messen.)

Ob Cels überhaupt so lange halten, weiß natürlich niemand, aber wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, verwenden Sie für das Passepartout und eventuellen Trenn- und Zwischenlageblätter säurefreies Papier, das Sie z.B. bei Monochrom bekommen.

Links, weiterführende Informationen, Händler

- weitere Informationen finden Sie bei Animanga und Cels.org (beide englisch).

- Tips zum Bestellen:

Zur Frage der Bezahlung habe ich im Register III unter "b" etwas über meine bisherigen Erfahrungen geschrieben.

Einige Händler akzeptieren (nach Absprache) auch Überweisung auf's Konto. Doch auch hier sind die Gebühren recht hoch und von Bank zu Bank und Land zu Land unterschiedlich. Relativ einheitlich geregelt ist das inzwischen innerhalb der EG, doch da gibt es fast keine Cel-Händler, so daß es nur ein theoretischer Nutzen ist.

Wenn Sie eine Bestellung abschicken, sollten Sie sich auch die Scans der Cels ausdrucken. Diese Unterlagen im Zweifelsfall zur Hand zu haben, kann nie schaden.



Erstellt am 6.10.1999. Letzte Änderung auf dieser Seite: 16.5.2015

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