Japanreise 2010: Was sonst noch erwähnenswert ist


- Die Reise war wegen der zahlreichen Fußmärsche und der dabei zu überwindenden Höhenunterschiede ziemlich anstrengend und wegen des schlechten Yen-Kurses auch ziemlich teuer. (Flug 680 Euro, JR-Ticket 410 Euro, Hotels per Karte bezahlt gut 50.000 Yen, Hotels bar bezahlt und sonstiges ca. 170.000 Yen, wobei 1 Euro zur Zeit ca. 110 Yen ist). Aber wir haben unglaublich viel gesehen. Die Reisezeit haben wir übrigens wegen der schönen Farben des Herbstlaubes gewählt und sind (auch wegen des schönen Wetters) voll auf unsere Kosten gekommen. Die Temperaturen lagen meist über 10 Grad, auch wenn es, wenn die Sonne weg war, manchmal schon empfindlich kühl wurde. Außerdem war es um 17, spätestens 18 Uhr schon dunkel.

- Da wir die Hotels so gebucht hatten, daß wir meistens eine Waschmaschine und Trockner zur Verfügung hatten, hätte ein Wäschevorrat von ca. 5 Tagen gereicht. Ich hatte leider viel zuviel dabei, was sich vor allem bei der Rückreise gewichts- und volumenmäßig ziemlich unerfreulich bemerkbar machte.

- Inzwischen werden überall in Japan Kreditkarte akzeptiert, selbst in Konvinis. (Das sind diese praktischen Läden, die 7 Tage die Woche, 24 Stunden pro Tag geöffnet sind und die ich hier in Deutschland schon oft vermisst habe.)

- Anders als früher haben die Japaner inzwischen keine Scheu mehr, Ausländer auf Englisch anzusprechen. Und da sie das ganz gut können, kann man sich auf diese Weise immer soweit verständlich machen, daß man bekommt, was man will. Ich versuche immer Japanisch zu sprechen, und es entwickelt sich dann zumeist ein seltsamer japanisch-englischer Dialog ;-)

- Anime-Fans (Otakus) haben in Japan einen sehr schlechten Ruf. (Wenn man sich sie Typen, die in den Anime-Läden herumschleichen, so ansieht, weiß man auch, warum.) Als Fan unter Fans merkt man davon normalerweise nichts, aber in der Realität sollte man diese Warnung bitter ernst nehmen.

Folgendes geschah beispielsweise im Miyajima Grand Hotel: wir aßen dort zu Abend und unterhielten uns (wahrscheinlich ziemlich lautstark) auf Deutsch über alles Mögliche. Themen genug hatten wir ja, vom anstrengenden Ausflug bis zu dem "spannenden" Abendessen. Irgendwann erschien ein älterer Japaner bei uns am Tisch und sprach uns in fließendem Deutsch an. Das Grand Hotel wird, wie es der Name sagt, üblicherweise nicht von deutschen Rucksack-Touristen, sondern von der wirtschaftlichen Elite Japans aufgesucht, und der Herr war sehr neugierig, wie es uns nun ausgerechnet dorthin verschlagen hatte. Das Gespräch kam gut in Gang, und eine der früher oder später immer gestellten Standardfragen war schließlich, wie wir nach Japan gekommen seien und was wir dort wollten. Völlig nichtsahnend antwortete ich, wir seien Anime-Fans und deshalb hier. Damit war das Gespräch beendet. Der Herr verabschiedete sich, und das war's.

Wenn Sie also in Japan mit "normalen" Leuten zu tun haben, dann vermeiden Sie dieses Thema tunlichst. Es ist in der Tat ein Paradoxon, denn Anime und Manga sind in gewisser Hinsicht selbstverständlicher Teil der japanischen Gegenwarts-Kultur. Trotzdem: wer sich als Otaku outet, der ist draußen.

- Japan ist touristisch gut erschlossen, was sich zum Beispiel darin widerspiegelt, daß es überall Toiletten gibt, und zwar saubere! Überhaupt ist in Japan alles irgendwie eleganter und leichter als bei uns. Die deutsche Verbissenheit findet man dort nicht, und die deutsche Provinzialität ebenfalls nicht

- München ist mächtig stolz auf sich selbst, aber wenn man von Japan aus hierher zurückkommt, findet man wenig Grund dafür. Die Gepäckausgabe des Flughafens hat es überhaupt nicht eilig. Die S-Bahn hat Verspätung und hält dann auch noch vor jeden Kuhstall. Der Transrapid wurde ja torpediert, die statt dessen dafür versprochene Express-S-Bahn aber auch. Irgendwann werden die Deutschen noch an ihrer Provinzialität ersticken.

Allerdings muß man sagen, es gibt auch Sachen, die hier besser sind als in Japan, zum Beispiel das Essen, wobei ich mit dieser Meinung in meinem Freundeskreis allerdings ziemlich allein dastehe. Die anderen sind ganz wild auf japanisches Essen. Mir hingegen schmeckt es im besten Fall gerade mal so einigermaßen, und Spezialitäten wie Sushi kann ich rein gar nichts abgewinnen.

Ebenfalls besser sind bei uns Papiertaschentücher und Toilettenpapier. Beides ist in Japan so dünn, daß es ohne weiteres kaum benutzbar ist. Und natürlich sind die allgemeinen Lebenshaltungskosten hier viel niedriger. Provinzialität hat halt auch seine Vorteile.

Auch das Einkaufen von Büchern ist hier besser, weil man sich die Bücher vorher im Laden ansehen und durchblättern kann. In Japan sind Bücher immer eingeschweißt und man kauft mehr oder weniger die Katze im Sack.



Erstellt am 1.12.2010. Letzte Änderung: 10.12.2010