"Kiki's Delivery Service" ist eine Art modernes Märchen, in dem ein gerade 14 Jahre alt gewordenes Mädchen die Hauptrolle spielt. Als Tochter einer (guten) Hexe ist sie selbst natürlich ebenfalls eine solche, und muß nun, wie jede junge Hexe, ein Trainingsjahr in einer fremden Stadt absolvieren. Also schwingt sie sich in einer schönen Vollmondnacht zusammen mit ihrem schwarzen Kater Jiji auf ihren Besen (genauergesagt den ihrer Mutter), und macht sich auf den Weg, irgendwo in der Fremde eine passende Stadt zu finden.
Hayao Miyazaki und seine Leute haben zur Vorbereitung dieses Animes eine Studienreise durch Nordeuropa unternommen, um die dortigen Hexenmythen kennenzulernen. Das hat übrigens zu dem bemerkenswerten Ergebnis geführt, daß fast alle Schriften in (mehr oder weniger sinnlosen) Romaji oder so was ähnlichem ausgeführt sind (Nähere Infos dazu hier). Kanji kommen fast keine vor, und die paar, die es noch gab, hat Buena Vista dann wegretuschiert. Die Geschichte spielt in einem imaginären Land, das man ungefähr in den 30er Jahren unseres Jahrhunderts ansiedeln könnte. Den Menschen dort sind Hexen, die auf Besen am hellichten Tag in der Luft herumfliegen, etwas durchaus vertrautes, so daß Kiki zumindest in dieser Hinsicht keine Schwierigkeiten hat - dafür aber diverse andere.
Den internationalen (bzw. zumindest amerikanischen) Vertrieb hat Walt Disney (Buena Vista) übernommen, andernfalls wäre das Produktionsstudio Ghibli und Hayao Miyazakis Name wohl nie über Japans Grenzen hinaus bekannt geworden. In Japan allerdings ist Miyazaki eine lebende Legende (von ihm stammt u.a. auch "Mononoke Hime" und unser allseits bekanntes "Heidi"!). Herausgebracht hat Buena Vista den Film als so etwas ähnliches wie eine bilinguale LD. Ein Kanal der Analogspur enthält in der Tat die japanische Version, der andere und die beiden Digitalkanäle den englischen Ton in Dolby Surround.
Es gibt einen Vertrag zwischen dem Studio Ghibli und Walt Disney, dem gemäß beim internationalen Vertrieb außer der Synchronisation an den Filmen keinerlei Änderungen und Schnitte vorgenommen werden dürfen. Bis auf ca. 2 Stellen, an denen japanische Schrift durch englische ersetzt wurde, hat sich Buena Vista auch daran gehalten, so daß wir für knapp 70 DM in den Genuß einer zweisprachigen LaserDisc kommen, die in Japan schätzungsweise das Doppelte kostet (und dort natürlich nicht zweisprachig ist, versteht sich).
"Kiki's Delivery Service fügt sich recht gut in Walt Disneys Märchenfilm-Programm ein. Die üblichen Kitsch-Elemente - Musicaleinlagen und die alberne Singerei - bleiben uns natürlich (und Gott sei Dank) erspart, so daß man diesen schönen Film rundum empfehlen kann. (Es sei denn, Sie stehen nur auf Tentakel-Sex: "Kiki" ist garantiert gewaltfrei).
| Kiki Auf ihrem Besen fliegt sie los, um sich in der Fremde zu bewähren. Dabei erlebt sie einige turbulente Abenteuer und wird am Schluß sogar zur Heldin, als sie Tombos Leben rettet | ![]() |
j: Takayama
Minami e: Kirsten Dunst |
| Jiji Er ist die obligatorische Schwarze Katze, die eine Hexe nun mal immer hat. In der japanischen Version klingt seine Stimme wie eine Mischung aus Luna und BQ, in der englischen wie Humphrey Bogart mit Schnupfen | ![]() |
j: Sakuma Rei e: Phil Hartman |
| Osono Die Bäckerin erwartet bald ein Baby. Sie läßt Kiki in ihrem Haus in der Dachstube wohnen und organisiert ihren Zustelldienst, denn sie ist von Kikis Flugkünsten sehr beeindruckt | ![]() |
j: Keiko Toda e: Tress MacNeille |
| Die alte Dame ist eine von Kikis ersten Kundinnen. Die beiden werden später gute Freundinnen | ![]() |
j: Haruko Kato e: Debbie Reynolds |
| Barsa ist ihre Haushälterin. Sie ist von Kiki ebenfalls ganz begeistert | ![]() |
j: Hiroko Seki e: Edie McClurg |
| Ursula Sie ist eine ziemlich exzentrische, aber sehr umgängliche Malerin, die in einer Hütte tief im Wald lebt und dort Krähen malt. Sie und Kiki werden sehr enge Freundinnen. Hier betrachten die beiden gerade ihr Bild | ![]() |
j: Takayama
Minami e: Janeane Garofalo |
| Tombo Er ist ganz wild auf's Fliegen und bastelt sich eine Art Flug-Fahrrad. Kiki ist sein großes Vorbild - sie kann schließlich ganz ohne technische Tricks fliegen | ![]() |
j: Yamaguchi
Kappei e: Matthew Lawrence |
| Kokiri Kikis Mutter ist auch eine (gute) Hexe, die als junges Mädchen aufbrach, in einer fremden Stadt ihr Glück zu machen. Gern trennt sie sich natürlich nicht von ihrer Tochter, aber sie weiß, daß Kiki ihren Weg gehen muß | ![]() |
j: Mieko Shinozawa e: Kath Soucie |
| Eine von Kikis Kolleginnen: Kiki trifft sie unterwegs. Sie ist zwar schon erfahren und daher etwas eingebildet, gibt Kiki aber einige gute Tips und Anregungen | ![]() |
j: Kobayashi
Yuko e: Debi Derryberry |
| Osonos Mann Er ist der ziemlich wortkarge Chef der Bäckerei. Gelegentlich beeindruckt er Jiji mit ein paar Kunststückchen | ![]() |
j: Yamadera
Kouichi e: Edie McClurg |
| Daten: | |||
| Produktion: Studio Ghibli | Regie: Hayao Miyazaki | Design: Katsuya Kondo | Erscheinungsjahr: 1989 |
| Bewertung: | Animationsqualität: sehr gut | Handlung: modernes Märchen | Musik: nichts auffälliges |
| Japanische Synchronisation: gut | Besonderheit: verarbeitet diverse germanische Mythen und sonstige Elemente | Englische Synchronisation: bis auf Jiji gut | Gesamt-Beurteilung: sehr gut |
Erstellt am 19.12.1998. Letzte Änderung: 20.10.2009